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Die Insel Karmøy entdecken – Wikinger, Küstenorte und Traumstrände im Westen Norwegens

Titelbild Wikinger und Kloster an der Westküste (Insel Karmoy - Norwegen) Nordlandblog

Zwischen Stavanger und Bergen liegt mit Karmøy eine Insel, die auf engsten Raum ganz unterschiedliche Seiten Westnorwegens vereint. An ihrer Westküste warten breite Sandstrände am Atlantik, im Süden schmiegen sich weiße Holzhäuser rund um den kleinen Hafen von Skudeneshavn und im Norden führen die Spuren norwegischer Könige bis in die Zeit der Wikinger zurück.

In diesem Beitrag zeigen wir euch die ganz unterschiedlichen Facetten von Karmøy und nehmen euch mit zu den Orten, die uns auf der Insel besonders beeindruckt haben.

Utstein Kloster – mittelalterliche Geschichte vor den Toren Karmøys

Bevor wir Karmøy erreichen, besuchen wir auf der kleinen Insel Klosterøy noch einen ganz besonderen Ort. Rund 30 Kilometer nördlich von Stavanger liegt mit Utstein Kloster das einzige vollständig erhaltene mittelalterliche Kloster Norwegens.

Das Kloster ist traumhaft auf einer kleinen Insel gelegen

Die Geschichte dieses Ortes reicht allerdings noch wesentlich weiter zurück. Nach der Schlacht am Hafrsfjord im Jahr 872 soll sich hier bereits ein Königshof Harald Schönhaars befunden haben. Schriftlich erwähnt wird Utstein erstmals im 11. Jahrhundert, während der Bau der heutigen Klosteranlage vermutlich um 1260 begann. Einige Teile könnten sogar noch von dem früheren Königshof stammen.

Vermutlich war es König Magnus Lagabøte, der den Hof mit der bereits begonnenen Kirche den Augustinern überließ. Die Gemeinschaft gehörte zu den Augustiner-Chorherren, die häufig vereinfacht als Mönche bezeichnet wurden. Ihr Alltag folgte festen Regeln und war von Gebeten, Gottesdiensten, dem Lesen religiöser Schriften und körperlicher Arbeit geprägt.

Wahrscheinlich lebten nicht mehr als zwölf Augustiner dauerhaft in Utstein. Hinzu kamen zahlreiche Bedienstete, die sich um Landwirtschaft, Bauarbeiten, Küche und die Versorgung des Klosters kümmerten. Denn die Gemeinschaft besaß umfangreiche Ländereien und war wohlhabend genug, um rund 250 Menschen das ganze Jahr über zu ernähren. Damit war Utstein nicht nur ein religiöser Rückzugsort, sondern zugleich ein bedeutender landwirtschaftlicher und wirtschaftlicher Mittelpunkt der Region.

Minigalerie Kloster Utstein:

Mit der Reformation im Jahr 1537 endete das klösterliche Leben auf Utstein. Die Anlage stand anschließend über längere Zeit leer und verfiel zunehmend. Im 18. Jahrhundert ließ die Familie Garmann die Gebäude zu einem stattlichen Gutshof umbauen. Noch bis in die 1930er-Jahre dienten Teile des ehemaligen Klosters als Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wurde die Anlage schließlich 1965 als Museum eröffnet.

Besonders beachtlich ist für uns der traditionelle Kräutergarten im Innenhof des Klosters sowie die imposanten Bäume auf dem Anwesen. Diese sollten eigentlich vor vielen hundert Jahren mit dem Schiff nach Russland transportiert werden.

Vom Utstein Kloster fahren wir zur Fähranlegestelle in Mortavika. Von dort bringt uns die Autofähre in gut 20 Minuten über den Boknafjord nach Arsvågen. Anschließend folgen wir der E39 und erreichen Karmøy durch den knapp neun Kilometer langen Karmøytunnel. Wir beginnen unsere Inselrundfahrt an die Südspitze in Skudeneshavn.

Skudeneshavn – weiße Holzhäuser und maritime Idylle

Rund 130 ältere Holzhäuser, Speicher und Bootshäuser bilden in Gamle Skudeneshavn eines der größten und am besten erhaltenen historischen Holzhausensembles Norwegens. Weiße Fassaden, rote Ziegeldächer und zahlreiche liebevoll bewahrte Details prägen das Viertel rund um den kleinen Hafen. Seit 2018 stehen die Gebäude, Straßen, Plätze und Hafenanlagen unter Denkmalschutz.

Historische Häuser in Skudeneshavn
Historische Häuser in Skudeneshavn

Seinen Aufschwung verdankt Skudeneshavn vor allem der Heringsfischerei im 19. Jahrhundert. Fischer, Händler, Handwerker und Seeleute ließen sich hier nieder, neue Wohnhäuser, Speicher und Werkstätten entstanden. Nachdem die großen Heringsschwärme ausblieben, entwickelte sich Skudeneshavn zu einer bedeutenden Segelschiffstadt. Zeitweise waren mehr als 70 Schiffe im Ort beheimatet. Viele der damals errichteten Häuser tragen bis heute die typischen klaren Formen und dezenten Verzierungen des Empirestils.

Für eine kleine Pause bietet sich das Verdens minste kafé an, das sich selbstbewusst als kleinstes Café der Welt bezeichnet. Es befindet sich im ehemaligen Bäckerhaus mitten im alten Stadtviertel Nullen und verbindet seine winzigen Räumlichkeiten mit dem Charme eines historischen Krambodens. Schon deshalb lohnt es sich, während des Stadtbummels auf eine Tasse Kaffee vorbeizuschauen.

Mehr über die Entwicklung Skudeneshavns, die Heringsfischerei und das Leben seiner früheren Bewohner erfährt man im Stadtmuseum in der Mælandsgården. Dort sind unter anderem historische Wohnräume, Werkstätten und ein alter Krämerladen erhalten, dessen Einrichtung noch weitgehend so aussieht wie vor mehr als hundert Jahren.

Eine Erfindung aus Skudeneshavn machte den kleinen Küstenort sogar weit über Norwegen hinaus bekannt. Kapitän Ole Christian Hansen entwickelte hier in den 1880er-Jahren die Hansaluren, ein handbetriebenes Nebelhorn. Mit ihrem kräftigen, weithin hörbaren Ton konnten Schiffe bei dichtem Nebel und schwerem Wetter auf sich aufmerksam machen und sich gegenseitig warnen.

Minigalerie Fischerdorf Skudeneshavn auf Karmøy

In einer kleinen Fabrik an der Søragadå wurden mehr als 80.000 Exemplare hergestellt und in alle Welt exportiert. Über 70 Jahre gehörte die Hansaluren zur vorgeschriebenen Sicherheitsausrüstung auf norwegischen Schiffen.

Nach unserem Bummel durch Skudeneshavn fahren wir weiter nach Åkrehamn. Keine 20 Minuten später stehen wir am Åkrasanden – einem Strand den man mehr in der Karibik erwartet.

Åkrasanden auf Karmøy – weiße Strände und türkisblaues Meer

Schon beim ersten Blick auf Åkrasanden versteht man, weshalb dieser Küstenabschnitt mehrfach zu den schönsten Stränden Norwegens gewählt wurde. Der lang gestreckte, flach abfallende Strand mit seiner karibisch anmutenden Wasserfarbe ist im Sommer ein beliebter Badeort, über dem sogar die Blaue Flagge weht.

Das internationale Umweltzeichen wird nicht allein für eine schöne Lage vergeben, sondern steht unter anderem für hohe Anforderungen an Wasserqualität, Umweltschutz und Zugänglichkeit. Auch Sandvesanden weiter südlich trägt diese Auszeichnung, sodass Karmøy gleich zwei offiziell zertifizierte Badestrände besitzt.

Insel Karmoy: Strände wie in der Karibik
Strände wie in der Karibik findet man an vielen Stellen auf der Insel

Auch außerhalb der klassischen Badesaison verliert Åkrasanden nicht seinem Reiz. Dann gehört der Strand den Kitern und Windsurfern, die hier besonders gute Bedingungen vorfinden.

Der weite Horizont, das stetige Rauschen der Wellen und die offene Küstenlandschaft sorgen zu jeder Jahreszeit für jene besondere Atmosphäre, die uns an den Stränden Karmøys so begeistert.

Wer nicht nur baden möchte, kann dem Natur- und Kulturpfad von Åkrasanden in Richtung Ferkingstad folgen. Der leichte Weg verbindet die verschiedenen Strandabschnitte und führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft mit Dünen, Wiesen und weiten Ausblicken auf das Meer. Alte Bootshausfundamente und ein Denkmal für Fischer, die auf See ihr Leben verloren haben, erzählen unterwegs von der langen Geschichte dieses Küstenabschnitts. Zugleich lässt sich entlang des Weges eine vielfältige Vogelwelt beobachten.

Mortholmen Sildesalteri – Alte Heringssalzerei auf der Insel Karmøy

Nur wenige Minuten von Åkrasanden entfernt erinnert die Mortholmen Sildesalteri im Hafen von Åkrehamn an die große Zeit der Heringsfischerei auf Karmøy. Die 1918 errichtete Heringssalzerei war einst einer der bedeutenden Arbeitsplätze der Region. Hier wurden die Fänge verarbeitet, in großen Becken und Fässern gesalzen und anschließend bis in andere Teile Europas exportiert. Heute hat der aus der Fernsehserie “Deadliest Catch” bekannte Kapitän Sig Hansen die historische Anlage aufwendig restauriert. Führungen und Besuche werden nach vorheriger Vereinbarung angeboten.

Fähre der Fjordline auf ihrem Weg zwischen Bergen und Stavanger sehen.
Man kann von hier aus bis zum Festland schauen

Avaldsnes – die Wiege Norwegens

Nach unserem Aufenthalt am Åkrasanden fahren wir weiter in den Norden von Karmøy, wo wir in Avaldsnes tief in die Geschichte Norwegens eintauchen. Der Ort liegt am schmalen Karmsund, einer geschützten Wasserstraße entlang der norwegischen Küste. Wer diese Passage kontrollierte, beherrschte zugleich den Schiffsverkehr auf dem Nordvegen, dem alten „Weg nach Norden“.

Seit rund 3000 Jahren war Avaldsnes ein bedeutendes Machtzentrum. Fürsten und Könige überwachten von hier aus die vorbeifahrenden Schiffe, erhoben Abgaben und kontrollierten den Handel entlang der Küste. Mehr als 1000 Jahre lang diente der Ort als Königssitz. Auch Harald Schönhaar, der als erster König eines vereinten Norwegens gilt, machte Avaldsnes im 9. Jahrhundert zu einem seiner wichtigsten Herrschaftssitze.

Nach der traditionellen und bis heute verbreitetsten Erklärung entwickelte sich aus der Bezeichnung Nordvegen schließlich der heutige Landesname Norwegen. Eine andere Theorie führt den Namen auf die schmalen Meerengen und Fjorde entlang der Küste zurück. Unbestritten ist jedoch, dass der Karmsund über Jahrhunderte zu den wichtigsten Schifffahrtswegen des Landes gehörte.

Die St.-Olav-Kirche von Avaldsnes

Das weithin sichtbare Wahrzeichen von Avaldsnes ist die St.-Olav-Kirche. König Håkon Håkonsson ließ die mächtige Steinkirche um 1250 als Teil eines befestigten Königshofes errichten. Anfang des 14. Jahrhunderts wurde sie zu einer von nur vier königlichen Kollegiatkirchen Norwegens erhoben. Von diesen vier Kirchen ist heute allein die St.-Olav-Kirche erhalten geblieben.

An ihrer Nordseite steht einer der ungewöhnlichsten Zeitzeugen von Avaldsnes. Die mehr als sieben Meter hohe “Nadel der Jungfrau Maria” gehörte ursprünglich zu einer Gruppe gewaltiger Bautasteine, die vermutlich bereits im 3. Jahrhundert aufgestellt wurden.

Der Sage nach bricht der jüngste Tag herein, sobald der Stein die Kirchenmauer berührt. Um den Weltuntergang hinauszuzögern, sollen die Priester deshalb nachts immer wieder kleine Stücke von seiner Spitze abgeschlagen haben. Selbst beim Bau der Kirche nahm man offenbar Rücksicht auf die alte Prophezeiung und ließ die Mauer leicht schräg verlaufen.

Ein gewaltiges Monument längst vergangener Tage: Die Sankt Olavs Kirche

Direkt neben der Kirche befindet sich das Nordvegen Historiesenter. Damit das moderne Gebäude das historische Gelände nicht dominiert, wurde es zum größten Teil unter der Erde angelegt. Lediglich der runde Eingang ist vom Kirchenplateau aus sichtbar. Seine Form erinnert an Mimirs Brunnen, der in der nordischen Mythologie als Quelle des Wissens und der Weisheit gilt.

Im Inneren führt Harald Schönhaar durch die Geschichte von Avaldsnes und stellt Fürsten und Könige vor, die den Nordvegen kontrollierten. Filme, Licht, Geräusche, Figuren und archäologische Funde erzählen von Macht und Handel, aber auch von nordischen Göttern, Schildmaiden und Zauberern. Für deutschsprachige Besucher stehen Audioguides zur Verfügung.

Mit Kirche und Geschichtszentrum ist der Ausflug in die Vergangenheit noch längst nicht beendet. Ein Fußweg führt durch die historische Kulturlandschaft hinunter zur kleinen Insel Bukkøy, auf der zwischen Wald und Meer ein Wikingerhof rekonstruiert wurde.

Das Nordvegen Historiesenter

Nur wenige Schritte von der Kirche entfernt liegt das Nordvegen Historiesenter. Damit der moderne Bau die historische Umgebung nicht dominiert, wurde ein großer Teil des Gebäudes unter die Erde verlegt. Der runde Eingang erinnert an Mimirs Brunnen, der in der nordischen Mythologie als Quelle des Wissens und der Weisheit gilt.

Im Inneren tauchen Besucher tief in die rund 3000-jährige Geschichte von Avaldsnes ein. Archäologische Funde, Figuren, Filme sowie Licht- und Klanginszenierungen erzählen von den Fürsten und Königen, die den Nordvegen kontrollierten. Daneben geht es um nordische Götter, Schildmaiden, Runen und Zauberei.

Das Wikingerdorf auf Bukkøy

Vom Museum führt ein Fußweg durch die historische Kulturlandschaft hinunter zur kleinen, bewaldeten Insel Bukkøy. Nach etwa zehn Minuten öffnet sich zwischen den Bäumen der Blick auf einen rekonstruierten Wikingerhof mit Langhaus, Rundhaus, kleineren Nebengebäuden und einem großen Bootshaus.

Wie in alten Zeiten…

Der Hof zeigt den Alltag einer gewöhnlichen Bauernfamilie während der Wikingerzeit. Bauern bildeten damals das Rückgrat der Gesellschaft. Sie bewirtschafteten das Land, hielten Tiere und arbeiteten zugleich als Handwerker, Fischer, Händler oder Seefahrer.

Wikingerhof Insel Kamoy
Die Wikinger kannten bereits die schönsten Plätze in der Region

Während der Sommersaison erwacht der Hof zum Leben. In den Gebäuden lodern die Feuerstellen, Handwerker zeigen alte Techniken und Besucher erfahren, wie während der Wikingerzeit gekocht, gewebt, gearbeitet und gelebt wurde.

Minigalerie Wikinger-Dorf bei Avaldsnes:

Abschied von Karmøy

Nach unserem Ausflug in die Wikinger- und Königsgeschichte von Avaldsnes verlassen wir Karmøy über die Karmsundbrücke. Nur wenige Minuten später erreichen wir Haugesund und setzen unsere Reise entlang der norwegischen Westküste fort.

Hinter uns liegt eine Insel, die erstaunlich viele Geschichten erzählt. Weiße Holzhäuser erinnern an die Zeit der Heringsfischer und Segelschiffe, helle Sandstrände verleihen der rauen Atlantikküste beinahe südliches Flair und rund um Avaldsnes reichen die Spuren bis zu den frühen Königen Norwegens und in die Wikingerzeit zurück.

Das Reichsdenkmal mit der berühmten Stele bei Haugesund

Die Fakten / Details:

  • Zeitraum: etwa 3 – 5 Tage
  • Entfernung Stavanger – Bergen: 210 Kilometer
  • Fährüberfahrt Anreise: Fjordline nach Stavanger
  • Fährüberfahrt Rückreise: Fjordline von Bergen
  • Fluganreise: unter anderem Direktflüge von Berlin nach Stavanger und Bergen mit der “Norwegian Air”
  • Du findest Karmøy mit den folgenden Koordinaten, die wir für dich zu Google Maps verlinkt haben: 59.282133, 5.231952

Die Campingplätze:

Literaturtipps für deine Reise nach Norwegen

Autoatlas für Norwegen
Stellplatzführer Europa 2024
Norwegen mit dem Wohnmobil
Lonely Planet Norwegen

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Conny & Sirko

... schreiben sich hier ihr ewig währendes Fernweh nach dem Norden Europas von der Seele - wenn sie nicht gerade mit ihrem Wohnmobil durch die atemberaubenden Landschaften Nordeuropas reisen, um ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit euch in ihrem Nordlandblog zu teilen. Besucht uns gern im Bereich "ÜBER UNS" :)

2 Kommentare

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    • Hei Ina, vielen Dank für deinen netten Kommentar und das liebe Feedback. Es ist schön, dass ihr diese traumhaften Plätze ebenfalls bereits sehen / erleben konntet. Norwegen hat zweifelsohne so viel an Attraktionen, Sehenswürdigkeiten und Geschichte zu bieten, das man gefühlt jedes Mal neue und andere Dinge entdecken kann. Wir wünschen euch weiterhin tolle Reisen und senden liebe Grüße, Conny und Sirko

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