Anzeige

Lifestyle Norwegen Highlights

Wintermarkt in Røros: Mit dem Wohnmobil zum Rørosmartnan

Titelbild Wintermarkt in Roros, Rorosmartnan mit dem Wohnmobil

Seit mehr als 170 Jahren ist die ostnorwegische Bergstadt Røros Schauplatz des wohl schönsten Wintermarkts Norwegens, dem mittlerweile legendären Rørosmartnan. Wir waren dabei, als Pferdeschlitten aus ganz Skandinavien auf dem Wintermarkt in Røros eintrafen und konnten dort die besondere Magie und lebendige Tradition inmitten winterlicher Kulisse miterleben.

Zeitreise voller Magie und Tradition in klirrender Kälte

Morgenstimmung in der Femundsmarka in Norwegen

Das Thermometer zeigt minus zwanzig Grad, als wir an diesem frostklaren Wintermorgen auf dem zugefrorenen See Vurrusjøen stehen. Um uns eine schier endlos weiße Weite, über der ein goldener Schleier der ersten morgendlichen Sonnenstrahlen liegt. Unser Atem verliert sich als feiner Nebel in der beißend kalten Luft, schwebt lautlos in der friedlichen Stille, die nur vom Knacken des Eises unter unseren Füßen durchbrochen wird.

Doch dann ist da plötzlich noch etwas anderes. Ein feines Läuten von Schellen und das entfernte Knirschen von Kufen im Schnee mischen sich zunehmend deutlicher in die Stille. In der Ferne sind einige dunkle Punkte auszumachen, die zu Silhouetten heranwachsen und schon bald lassen sich die ersten Umrisse einiger Pferdeschlitten und in Felle gekleideter Gestalten erahnen, die als Karawane im Takt der Pferdehufe das Eis überqueren. 

Schlittenkaravane auf einem zugefrorenen See

Sie folgen der historischen Kupferroute Kopparleden, die seit dem 17. Jahrhundert die schwedische Bergbaustadt Falun mit der norwegischen Welterbe-Stadt Røros verbindet. Über verschneite Pässe und gefrorene Seen hinweg wurden damals nicht nur Metalle, Erze und Werkzeuge transportiert – auch Lebensmittel, Nachrichten und Geschichten fanden auf dieser und anderen Handelsrouten ihren Weg durch die winterlich-frostigen Landschaften im Herzen Skandinaviens.

In einer Zeit ohne befestigte Straßen waren Pferdeschlitten das wichtigste Transportmittel – besonders in den schneereichen Regionen, wo gefrorene Seen und Moore über Wochen hinweg oftmals die einzigen passierbaren Routen bildeten. 

Schlittenkarawane auf dem Weg nach Roros

Durch Schnee und Sturm – der lange Weg nach Røros

Die schwer beladenen Schlitten nähern sich, werden von dampfenden Pferden über das Eis gezogen und von einigen Skifahrern in historischen Gewändern begleitet. Die Lasskjører – wie man die traditionellen Schlittenfahrer in Norwegen nennt – sind in dicke Pelze gehüllt, auf denen sich der Reif wie feine Kristalle abzeichnet.

Inzwischen können wir das Ächzen der hölzernen Schlitten, das helle Läuten der Schellen und das Schnaufen der Pferde deutlich hören. Eine wunderbare Untermalung eines Moments, der unter die Haut geht – ob aus Rührung oder wegen der klirrenden Kälte, lässt sich kaum sagen.

Schlittenführerin Wintermarkt in Roros

Die Gespanne ziehen gemächlich weiter. Noch liegen mehrere herausfordernde Tagesetappen vor ihnen, ehe sie ihr Ziel, den legendären Wintermarkt in Røros, erreichen werden.

Doch sie sind nicht allein. Seit der norwegische König im Jahr 1853 per Erlass verfügte, dass „ab 1854 in Røros ein Markt stattfinden soll, der am vorletzten Dienstag im Februar beginnt und bis zum darauffolgenden Freitag dauert“, brechen in der kältesten Zeit des Jahres immer wieder zahlreiche Händler und Handwerker auf, um in der ostnorwegischen Stadt ihre Waren feilzubieten und am Lagerfeuer die alten Geschichten zu erzählen. 

Rast mitten auf dem See, Wintermarkt in Roros

Wie einst ihre Vorfahren folgen sie auch heute den historischen Winterwegen, trotzen unberechenbaren Wetterunbilden, heftigen Schneestürmen und dunklen Winternächten. Oft sind sie mehrere Wochen unterwegs, legen täglich dreißig Kilometer und mehr zurück, verbringen zehn, zwölf Stunden auf den Schlitten – Tag für Tag.

Unterwegs rasten sie unter freiem Himmel, auf Bauernhöfen oder in den sogenannten Ferdasgårder – jenen traditionellen Herbergen, die einst entlang der historischen Winterrouten entstanden. Dort wird am offenen Feuer gescherzt, musiziert und gemeinsam gegessen, bevor ihr Weg am nächsten Morgen durch die Stille der verschneiten Weite weiterführt. 

Alter Bauernhof, Wintermarkt in Roros

Sternfahrt zum Wintermarkt nach Røros

Einer Sternfahrt gleich kommen acht Pferdeschlitten-Karawanen aus verschiedenen Himmelsrichtungen, und doch eint sie eine Leidenschaft, ein Ziel. Es ist der Wintermarkt Rørosmartnan im Herzen der 300 Jahre alten Bergstadt Røros.

Bis heute bilden ihre zahlreichen farbenfrohen Holzhäuser und die prägnante Kirche nicht nur eine stimmungsvolle Kulisse für dieses lebendige Schauspiel, sondern verleihen dem kleinen Ort auch jenen unverwechselbaren Charakter, der Røros einen Platz auf der Liste des UNESCO Welterbes beschert hat.

Frühmorgens am Eröffnungstag des Rorosmartnan

Für uns gehört Røros zu jenen Orten, wo jede Ankunft auch ein Ankommen ist. Sehnsuchtsziele, die die Seele wärmen. Oasen, die selbst in der Ferne ein Heimatgefühl vermitteln – dabei ist die etwas abgelegene Stadt beileibe nicht wirklich perfekt.

Vielmehr ist es ein Ort mit den zahlreichen Narben und dem sichtbaren Reichtum einer wechselhaften Geschichte – einer Geschichte, die sich noch heute in so vielen Facetten und gelebten Traditionen hier erleben, erahnen und spüren lässt. Wie ein Stück Vergangenheit inmitten von Norwegen, wo das Leben – nicht nur jetzt im Winter – langsamer und authentischer wirkt. Das konnten wir bereits auf dem beeindruckenden Weihnachtsmarkt in Røros erleben.

Winteridyll, Wintermarkt in Roros

Umso mehr folgen wir voller Vorfreude den Händlern und erfüllen uns damit den lang gehegten Wunsch, die einzigartige Melange aus winterlichem Idyll, nordischer Lebensart, skandinavischem Genuss und lebendigen Traditionen während des Wintermarktes endlich einmal selbst zu spüren.

Pferdeschlitten am Eröffnungstag des Rorosmartnan

Lebendige Tradition auf historischen Winterwegen

Jedes Jahr, lange bevor der Wintermarkt Roros öffnet, beginnt die eigentliche Geschichte des Rørosmartnan weit draußen auf den traditionellen Winterwegen. Aus Schweden und Norwegen brechen dann acht Pferdeschlitten-Karawanen auf. Tag für Tag legen sie ihre Etappen zurück, oft zehn bis zwölf Stunden auf dem Schlitten, über zugefrorene Seen, durch verschneite Täler und vorbei an Höfen, auf denen man sie seit Generationen erwartet.

Beladener Pferdeschlitten, Wintermarkt in Roros

Früher wurden auf diesen Routen Mehl, Getreide, Holz, Kohle, Felle und Werkzeuge in die Bergstadt gebracht – lebenswichtige Vorräte für den langen Winter. Heute transportieren die Lasskjørere vor allem Erinnerungen, Geschichten und eine Kultur, die beinahe verloren gegangen wäre.

Föreningen Forbonden Klövsjö (Schweden)

Aus Klövsjö in Jämtland kommen die schwedischen Forbonder (Fuhrleute), die als Erste die alte Winterreise nach Røros wiederbelebt haben.

Nord-Østerdal Lasskjørerlag (Norwegen)

Aus den Tälern nördlich von Røros bringen sie wie früher mit ihren Schlitten Kohle, Holz und andere Güter in die Bergstadt. Ihr Zug erinnert daran, dass Røros jahrhundertelang vom Umland versorgt werden musste.

Fron Lasskjørerlag (Gudbrandsdalen, Norwegen)

Aus dem Gudbrandsdalen kommend, legen sie mit ihren Gespannen besonders weite Strecken zurück. Viele Tage unterwegs, über Pässe, durch Täler und an alten Höfen vorbei, an denen früher schon die Forbonder im Winter einkehrten.

Selbu Lasskjørerforening (Norwegen)

Die Schlitten aus Selbu folgen einer alten Verbindung, auf der früher unter anderem die berühmten Mühlsteine aus der Region ihren Weg nach Røros fanden.

Dalarna–Femund Forkörerforening (Schweden / Norwegen)

Diese Gruppe verbindet die Wälder und Dörfer der schwedischen Region Dalarna mit den Winterlandschaften rund um den See Femunden in der Femundsmarka.

Hedemarken Lasskjørerforening (Norwegen)

Die Karawane von Hedemarken startet in der Umgebung vom Mjøsa-See. Auf den Schlitten liegen symbolisch Mehl, Getreide und andere Lebensmittel – ein Symbol dafür, wie wichtig die Versorgung der Bergstadt aus den fruchtbaren Gegenden im Süden einst war.

Trøndelag Lasskjørerlag (Gauldalen, Norwegen)

Sie ziehen aus Trøndelag über das Gauldalen in Richtung Røros. Ihre Route steht stellvertretend für die Handelswege, auf denen einst Heu, Hafer, Mehl und Stockfisch aus den Küsten- und Tallandschaften in die Bergstadt gebracht wurden.

Hestkjørere fra Tydal (Norwegen)

Die Tydal-Karawane startet in den Hochlagen östlich von Røros und nutzt gefrorene Seen und offene Winterflächen als natürliche Wege, um alljährlich zum Wintermarkt in die Bergstadt zu gelangen.

Willkommen in Røros – wenn der Wintermarkt erwacht

Eröffnungszeremonie des Rorosmartnan

Røros, Dienstagmittag. Zwölf Uhr. Wieder stehen wir in der Kälte, doch diesmal sind wir nicht allein. Tausende Einheimische und Besucher haben sich versammelt, dicht an dicht gedrängt entlang der Absperrungen vor dem Rørosmuseum, warm eingepackt und mit erwartungsvollen Blicken.

Immerhin gilt die Eröffnungszeremonie mit der Einfahrt der Pferdeschlitten und dem Einmarsch der Händler als emotionaler Höhepunkt und würdevoller Auftakt der folgenden Markttage. Selbst im Programm des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders NRK ist die Übertragung der Zeremonie mittlerweile ein fester Bestandteil. 

Sammeln der Pferdeschlitten zum Einlauf, Wintermarkt in Roros

Dann erklingen die ersten Schellen, ein Raunen geht durch die Menge. Und schließlich ziehen sie ein – rund achtzig Schlitten, begleitet von Musik und dem Jubel der Umstehenden. „Hipp, hipp, hurra“ Rufe hallen durch die klare Winterluft, brechen sich an den Fassaden der umliegenden, teils jahrhundertealten Holzhäuser.

Trotz der Kälte legt sich ein Zauber über den Platz. Es ist ein Zauber, dem wir uns kaum entziehen können und der uns förmlich zwischen damals und heute schweben lässt. 

Kurz vor der Eröffnung des Wintermarkt in Roros

Doch kaum ist der letzte Schlitten angekommen und der Markt offiziell eröffnet, verwandelt sich die feierliche Zeremonie in ein quirliges, buntes Durcheinander. Die Gassen, Plätze und Höfe füllen sich mit lachenden Menschen, die ersten Rufe der Marktschreier mischen sich unter das Knistern der Feuerstellen und den Duft frisch gebackener Waffeln.

Zwischen alten Holzhäusern öffnen sich die Tore zu einigen historischen Innenhöfen – sie sind das wahre Herz des Wintermarkts und ein Zuhause auf Zeit für die angereisten Schlittenfahrer und ihre Pferde. 

Die Ferdasgårder in Røros

Was sind Ferdasgårder?

Früher nahmen einige Höfe in Røros die Händler und Reisenden auf, die mit Pferd und Schlitten von weit her zum Markt kamen. Dort wurde nicht nur gehandelt, sondern auch musiziert, gegessen und Geschichten ausgetauscht – daher der Name Ferdasgårder (sinngemäß “Reisehöfe”).

Diese Tradition wurde Ende der 1990er-Jahre wiederbelebt: Heute sind die Ferdasgårder während des Rørosmartnan die Basis vieler Lasskjører-Gruppen (Pferdeschlitten-Gruppen), die auf historische Weise anreisen und dort ihre Waren anbieten. Es gibt sechs dieser Höfe, die wir nachfolgend kurz vorstellen.

Sundrønningsgården

Einer der ältesten Stadthöfe von Røros in der Mørkstugata. Hier sorgt der Fron Lasskjørerlag aus dem Gudbrandsdalen für Stimmung. Sie bringen regionale Produkte mit, dazu gibt es Musik, Geschichten, Handwerksaktivitäten und Marktverkauf an jedem Tag des Wintermarkts.

Lars-Persagården

Der Hof in der Kjerkgata 22 ist Quartier des Trøndelag Lasskjørerlag. Hier werden traditionelle Handwerksprodukte verkauft, dazu gibt es Fleskepannekaker (Pfannkuchen mit Speck) und Kostproben von Spekesild. Rund um das Feuer versprechen die Lasskjører spontane Unterhaltung – Kaffee gibt es kostenlos dazu.

Kurantgården

Der Kurantgården bietet während der Martnas-Woche eine Feuerstelle, Essenstände und traditionelle Handwerker in Aktion. In der Schmiede finden Konzerte und Vorträge statt und es werden Produkte aus Fell, Holz, Metall verkauft.

Finborudgården

In diesem Hof ist seit 1873 der Nord-Østerdal Lasskjørerlag zu Hause. Besucher erleben eine Atmosphäre wie vor hundert Jahren – mit Tauschhandel, Pferden im Stall, Geschichtenerzählern, Musik, Lagerfeuer, Schlittenfahrten und viel Trubel im Hof.

Rasmusgården

Einer der ältesten Höfe im Welterbe Røros mit Wurzeln im 17. Jahrhundert. Während des Marktes ist dies die Basis der schwedischen Gruppe Forbonden Klövsjö. Sie verkaufen traditionelle Handwerkswaren und haben auch ein eigenes Buch zur Forbonde-Kultur, über die Geschichte der historischen Schlittenzüge, im Gepäck.

Skjerdingstadgården

Ein offenes Hofgelände mit Stallcafé und einem imposanten antiken Trödel-Verkauf – perfekt für eine kleine Pause am Lagerfeuer und einem warmen Kaffee zwischen all dem Markttrubel.

Was zeichnet die Ferdasgårder aus?

In den Ferdasgårder schlägt das Herz des Rørosmartnan. Hier begegnen sich Gäste und Schlittenfahrer, hier lodern die Feuer, hier schmecken Kaffee und Kolbulle am besten. Wer nicht nur über den Markt schlendern, sondern die Tradition wirklich spüren möchte, sollte unbedingt in einem oder mehreren dieser Höfe einkehren.

Zwischen Handwerk, Handel und dem Duft von Zimtschnecken

Wer durch eines dieser Tore tritt, betritt eine andere Welt, eine Welt, in der sich Vergangenheit und Gegenwart auf stille, eindrucksvolle Weise begegnen. Zwischen schiefen Fassaden und verblichenen Balken lodern Feuer, an denen gekocht, gelacht und gesungen wird, ja sogar neue Freundschaften entstehen.

Eine unverwechselbare Mischung aus purer Lebensfreude, nordisch-angehauchter Sentimentalität, herzerwärmender Freundlichkeit und traditionellem Brauchtum, erfüllt die Höfe und nimmt uns regelrecht gefangen. Ein Lächeln, ein freundliches “Hei”, ein Kaffee vom Lagerfeuer, eine geteilte Schokolade und schon gehören wir dazu.

Volkslieder erklingen auf den Hinterhöfen in Roros

So erleben wir es unter anderem im Langknutgården, nur wenige Schritte von der alten Kirche im Ortszentrum entfernt, wo wir “unsere” Karawane aus der Femundsmarka wieder treffen.

Feuerstelle mit Kaffee auf einen alten Bauernhof in Roros

Zum Klang einer traditionellen Fidel wärmen wir uns mit weiteren Besuchern am Feuer, bekommen einen dampfenden Becher mit Kochkaffee gereicht und steigen kurz darauf über eine schmale Stiege in eine der Speicherstuben des Hofes. Es sind nur wenige knarrende Stufen. Und doch scheinen sie ganze Epochen zu überwinden, führen durch eine schmale Luke in einen schwach beleuchteten Raum.

In einer Ecke unter der Schräge sitzt ein alter Mann im fahlen Licht, als gehöre er schon immer dorthin. Versunken in seine Arbeit, unberührt vom Markttreiben wenige Schritte unter ihm, schnitzt er mit ruhiger, geübter Hand den Griff für einen kunstvoll geflochtenen Korb.

Schnitzkunst auf dem Wintermarkt in Roros

Die Späne tanzen in der Luft, ihr Duft vermischt sich mit dem der alten Balken und dem Rauch des Feuers unten im Hof. Nur ein kleines Kartenlesegerät auf dem Tisch erinnert daran, dass wir längst nicht mehr im 19. Jahrhundert sind und man die kunstvollen Körbe auch kaufen kann … 

Wintermarkt in Røros – fernab turbulenter Jahrmärkte

Voller nostalgischer Glückseligkeit steigen wir die knarrende Stiege wieder hinab und tauchen erneut in das Treiben des Rørosmartnan ein. Doch der Markt ist nicht nur Bühne nordischer Lebensart, sondern auch ein kulinarischer Sündenpfuhl, voller Versuchungen und Überraschungen, denen man nur sehr schwer widerstehen kann – es sei denn, die ganztags gleichermaßen gefährdete Kreditkarte gibt ihren Geist auf beziehungsweise kein Budget mehr her …

Trödelladen, Wintermarkt in Roros

Denn an vielen, oft etwas versteckten Ständen, gerade inmitten der historischen Höfe, gibt es irgendwie alles, was das Herz begehrt oder begehren könnte. Von Kuhglocken in allen Formen und Größen über alte Holzskier bis hin zu traditionellen Pelzmänteln, die scheinbar besser wärmen, als unser ganzes Hightech-Membran Outdoor-Gedöns. 

Verkauf von Pelzmänteln, Wintermarkt in Roros

Wobei zur Wahrheit auch gehört, dass entlang der Hauptwege natürlich auch die “üblichen Verdächtigen” zu finden sind, die ihre Waren oder Angebote in gleicher Weise auf den Märkten zwischen Palermo und Tromsø feilbieten. Dennoch hat sich der Wintermarkt in Røros bis heute eine einzigartige und authentische Atmosphäre bewahren können.

Markttreiben in der Hauptstraße von Roros

Kulinarische Highlights – vom Rentierburger bis Kolbulle

Vielleicht ja auch deshalb, weil in Norwegen kein Alkohol im öffentlichen Raum ausgeschenkt werden darf. Somit wird eben nicht jedes Event gleich zur alkoholseligen Partymeile – auch wenn hier scheinbar jeder zweite Norweger einen Flachmann in seinem Pelzmantel versteckt hat. Aber irgendwie muss man sich ja warmhalten …

Natürlich mussten wir während des Wintermarktes auch alles probieren, kosten und genießen, was die ostnorwegsiche Cuisine zu bieten hat. Ob frische Zimtschnecken in der Trygstad Bakeri, Rentierburger vom Grill, das norwegische Nationalgericht Rømmegrøt (eine Art Sauerrahmbrei) in der Røros Molkerei oder im Lars-Persagården die leckeren Fleskepannekaker (Speckpfannkuchen).

Zubereitung der leckeren Kolbulle beim Rorosmartnan

Ach, und nicht zu vergessen, das zunächst ungewöhnliche, aber bereits beim zweiten Bissen so extrem verführerische und traditionell nordische Pfannengericht Kolbulle, das im Hof Rasmusgården über offenem Feuer frisch zubereitet wird. Der Teig aus Wasser, Mehl und Salz wird dabei über knusprig gebratenen Speck gegossen, in der Pfanne goldbraun gebacken und mit Preiselbeermarmelade oder Zucker gereicht.

Als dann eine der Frauen hinter den Pfannen plötzlich ihre Mundharmonika aus der Tasche zieht und zu spielen beginnt, ist der Moment perfekt. Das Prasseln der Flammen, der melodische Klang, das Stimmengewirr – mehr braucht es nicht. Und schon wieder Gänsehaut …

Leckere Kolbulle, Lieder mit der Mundharmonika gespielt, Rorosmartnan

Am Ende erlebnisreicher Tage

Als wir gehen, senkt sich bereits die Dämmerung über Røros, aus den Höfen steigen Rauchfahnen in den Abendhimmel und das warme Licht in den Fenstern erhellt die Gassen. Ein letzter, fast wehmütiger Blick zurück – dorthin, wo sich auch im nächsten Jahr trotz Eiseskälte und Schneemassen abermals zahlreiche Menschen treffen werden.

In der Bergbaustadt Roros Wintermarkt in Roros

Denn der Rørosmartnan ist keines der auswechselbaren Volksfeste, kein grelles Event und keiner der üblichen Jahrmärkte. Für uns ist er vielmehr eine Oase der Wärme in einem frostigen Winterland, ein authentischer Ort des Friedens, der Begegnung und liebevoll gepflegter Traditionen in einer immer lauteren Welt. 

Tipps und Informationen zum Wintermarkt in Røros

Wann findet der Wintermarkt in Røros statt?

  • Der Rørosmartnan beginnt traditionell am vorletzten Dienstag im Februar und dauert fünf Tage bis zum folgenden Samstag.
  • Die offizielle Eröffnung mit Einzug der Pferdeschlitten findet am Dienstagmittag um 12 Uhr statt – für viele der emotionalste Moment der ganzen Woche.
  • An den folgenden Tagen ist tagsüber Marktbetrieb in den Straßen und Hallen, abends gibt es Konzerte, Tanzveranstaltungen und verschiedene Kulturprogramme in der ganzen Stadt.

Was du beim Wintermarkt nicht verpassen solltest

  • Die Eröffnungszeremonie mit Einzug der Pferdeschlitten – absoluter Gänsehautmoment!
  • Die historischen Innenhöfe mit offenen Feuerstellen, Handwerk, Musik, traditionellen Speisen.
  • Typische Gerichte wie Rømmegrøt, Kolbulle, Rentier- oder Elchgerichte und natürlich Zimtschnecken.

Im Februar liegen die Temperaturen häufig zwischen –10° und –30° Celsius. Warme Kleidung – am besten im Zwiebelprinzip und gefüttertes Schuhwerk sind unverzichtbar. Wer nicht genug von diesem Flair bekommen kann, sollte überdies einen Besuch auf dem legendären Weihnachtsmarkt in Røros planen.

Lage / Anreise

  • Mit dem Flugzeug:
    Von vielen deutschen Flughäfen über Oslo oder Trondheim. Weiter mit Bahn oder Mietwagen.
  • Mit der Bahn:
    Die Rørosbahn verbindet Røros mit Oslo und Trondheim.
    Von Oslo fährt die Rørosbahn in rund 5 Stunden direkt nach Røros und von Trondheim benötigt man etwa 2,5 Stunden.
  • Wer mit dem eigenen Auto oder Wohnmobil die Anreise nach Norwegen plant, kombiniert die Fahrt nach Røros am besten mit einer Fährverbindung nach Südnorwegen oder direkt nach Oslo, zum Beispiel:
    > Kiel – Oslo (Color Line) + Fahrzeit nach Røros etwa 5 bis 6 Stunden.
    > Hirtshals – Larvik / Kristiansand (Color Line oder Fjord Line) + Fahrzeit nach Røros je nach Route in etwa 7 bis 9 Stunden.

Im Winter ist auf allen Strecken mit Schnee, Glätte und teils anspruchsvollen Straßenbedingungen zu rechnen – mehr dazu in unserem Beitrag: Wintercamping in Skandinavien.

Übernachten

  • Übernachten im Hotel:
    Beliebte Hotels in der Stadt sind das Røros Hotel oder das Bergstadens Hotel. Während des Wintermarkts in Røros sind Hotels, Pensionen, Hütten und Ferienwohnungen meist komplett ausgebucht – daher frühzeitig, am besten mehrere Monate im Voraus buchen.
  • Mit dem Wohnmobil:
    Temporärer Stellplatz: Während des Wintermarkts richtet die Kommune einen zusätzlichen Stellplatz mit Stromanschlüssen in der Nähe des Ortskerns ein. Eine frühzeitige Reservierung über die verlinkte Webseite ist zu empfehlen.
  • Weitere Möglichkeiten: Wer es etwas ruhiger, günstiger und komfortabler mag, steht auf einem der Campingplätze außerhalb und fährt mit dem Bus / Shuttle in die Stadt.
Kommunaler Wohnmobil-Stellplatz von Roros

Aktivitäten:

  • Zu den beliebtesten Wintererlebnissen gehören Hundeschlitten- und Rentierschlitten-Fahrten in der Umgebung.
  • Wer sich für die Geschichte des Bergbaus interessiert, besucht die historische Grube Olavsgruva im Rahmen einer Führung.
  • Die Region ist zudem bekannt für ihr weitläufiges Langlaufgebiet mit präparierten Loipen und verlässlichen Schneebedingungen.

Hilfreiche Links zu Røros

Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag erschien in gekürzter Form zuerst in der “WELT AM SONNTAG”.

Aufbruch zum Wintermarkt in Roros

Literaturtipps für deine Reise nach Norwegen

Autoatlas für Norwegen
Stellplatzführer Europa 2026
Norwegen mit dem Wohnmobil
Lonely Planet Norwegen

Ebenfalls lesenswert:

Newsletter Form (#6)

NORDLANDBLOG NEWSLETTER

email_newsletter

Abonniere unseren kostenlosen Newsletter und erhalte maximal einmal monatlich aktuelle News, exklusive Inhalte sowie hilfreiche Informationen und inspirierende Geschichten aus dem Norden. Perfekt für alle, die den Norden lieben – und alles Wichtige im Blick behalten wollen.

Mit deiner Anmeldung willigst du in den Erhalt des Nordlandblog Newsletters ein, der jederzeit mit einem Klick wieder abbestellt werden kann. Informationen zur Datenverarbeitung findest du in unserer Datenschutzerklärung.

Hat dir der Beitrag gefallen? Dann teile ihn, speichere ihn oder unterstütze unsere Arbeit – vielen Dank:

Mehr zu diesem Thema:

Autor / Autoren:

Avatarbild-Autorenprofil-Conny-und-Sirko

Conny & Sirko

... schreiben sich hier ihr ewig währendes Fernweh nach dem Norden Europas von der Seele - wenn sie nicht gerade mit ihrem Wohnmobil durch die atemberaubenden Landschaften Nordeuropas reisen, um ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit euch in ihrem Nordlandblog zu teilen. Besucht uns gern im Bereich "ÜBER UNS" :)

Kommentieren

Klicke hier für dein Feedback, deinen Kommentar oder deine Frage

Erhältlich im Shop

Unser Taschenbuch

Norwegens Norden Cover

“NORWEGENS NORDEN – KYSTRIKSVEIEN & HELGELAND”
50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade

Unser Taschenbuch

Cover vom Buch 4 Jahreszeiten Camping in Skandinavien “4 JAHRESZEITEN CAMPING IN SKANDINAVIEN”
mit 8 Routenempfehlungen aus Nordeuropa.

Camping

Über 200 Stellplätze in Norwegen & über 100 Plätze in Schweden

Nortrip-Guide

Über 300 Stellplätze in Dänemark

Pintrip_Guide 2026

Unterstützung

Porträt Conny und Sirko Helgelandskysten Norwegen Hestmannen Gipfel Wanderung

Mithilfe deiner Unterstützung können wir weiterhin unabhängig recherchieren, unsere Inhalte stetig erweitern und aktualisieren sowie nahezu werbefrei anbieten.

Tusen takk, herzlichen Dank!

Magazine abonnieren

 

Coverbild NORDIS Ausgabe 1:2026NORR TITELBILD AUSGABE HERBST WINTER 2025

Wir sind dabei

Outdoor-Blogger Codex