Tief im Steindalen, eingerahmt von den schroffen Gipfeln der Lyngenalpen, liegt mit dem Steindalsbreen einer der eindrucksvollsten und zugleich am besten erreichbaren Gletscher der Region. Schon der Weg dorthin erzählt von der gewaltigen Kraft des Eises – von Moränen, Schmelzwasserläufen und einer Landschaft, die über Jahrtausende hinweg vom Gletscher geformt wurde.
Lyngenalpen in Nordnorwegen: Gletscher, Gipfel und geschützte Bergwelt
Die Lyngenalpen gehören mit ihrer fast 90 Kilometer langen Wand aus mächtigen Berggipfeln, Schnee und Eis zu den markantesten Gebirgslandschaften Norwegens. Wie eine gezackte Mauer erheben sie sich zwischen Ullsfjord und Lyngenfjord, durchzogen von tiefen Tälern, steilen Flanken und Gletschern. Wer entlang des Storfjords unterwegs ist, sieht dieses gewaltige Gebirge immer wieder am Horizont aufragen – rau, abweisend und doch mit einer Anziehungskraft, der man sich nur schwer entziehen kann.

Der höchste Gipfel dieser ursprünglichen Bergwelt ist der 1.834 Meter hohe Jiehkkevárri, dessen samischer Name sinngemäß “Gletscherberg” bedeutet. Treffender könnte der Name kaum sein, denn Eis und Schnee sind in den Lyngenalpen bis heute prägende Elemente der Landschaft. Besonders im südlichen Teil der Gebirgskette liegen mehrere größere Gletscher, zu denen auch der Steindalsbreen gehört.

Die Lyngenalpen sind daher nicht nur bei Wanderern, sondern auch bei Skitourengehern und Extremsportlern sehr beliebt. Eine weitere moderate, aber besonders lohnenswerte Wanderung führt zum Blåisvatnet im Norden des Gebirges, dessen unnatürlich blaues Wasser inzwischen zu den bekanntesten Fotomotiven der Lyngenalpen zählt.

Seit 2004 stehen große Teile der Lyngenalpen als Landschaftsschutzgebiet unter besonderem Schutz. Bewahrt werden soll eine Landschaft, in der Moränen, Schmelzwasser-Rinnen und andere geologische Formen bis heute gut erkennbar sind.
Zudem soll diese ursprüngliche Bergwelt auch für kommende Generationen erlebbar bleiben und das möglichst unverfälscht, ohne große Eingriffe und ganz im Sinne des norwegischen friluftsliv (Naturleben). Gleichzeitig geht es darum, die samische Kultur und die traditionelle Nutzung des Gebietes, insbesondere die Rentierzucht, zu bewahren.
Steindalsbreen Wanderung: Lage und Anfahrt
Die Anfahrt zum Steindalsbreen erfolgt in der Regel aus nördlicher oder südlicher Richtung zunächst über die E6 bis nach Oteren am südlichen Ende des Storfjords. In Oteren verlässt man die E6 und biegt auf den Fylkesvei 868 nach Lyngseidet ab. Von dort aus folgt man der Straße entlang des Storfjords und der Ostseite der Lyngenalpen rund 17 Kilometer, bis man das Steindalen erreicht.

Alternativ lässt sich die Lyngenhalbinsel auch über Fähren erreichen. Von Tromsø kommend bietet sich die Verbindung Breivikeidet – Svensby an. Anschließend führt die Strecke über Lyngseidet weiter südwärts in Richtung Steindalen. Wer aus Richtung Alta, Nordreisa oder vom Nordkap kommt, kann bei Olderdalen die Fähre nach Lyngseidet nutzen und von dort ebenfalls südwärts auf den Fylkesvei 868 zum Ausgangspunkt der Wanderung fahren.
Der Abzweig zum Wanderparkplatz liegt nahe dem Flusslauf Steindalselva bei der kleinen Siedlung Steindalen. Vom Fylkesvei 868 führt eine schmale Straße zum IMA Tursenter beziehungsweise Akselstua. Dort befindet sich ein größerer Parkplatz, der mit EasyPark (Park APP) genutzt werden kann. Vor Ort gibt es einige Informationstafeln zur Wanderung und zur besonderen Natur im Steindalen.
Wanderung zum Steindalsbreen: Vom Parkplatz zur Steindalshytta
Vom Parkplatz folgen wir zunächst einem Traktorweg beziehungsweise einem gut erkennbaren Pfad mit moderater Steigung hinein ins Steindalen. Schon auf diesem ersten Abschnitt wird deutlich, dass man nicht nur wegen der Gletscherzunge hierherkommt. Die Wanderung durch das Steindalen ist schon für sich betrachtet ein Erlebnis.

Entlang der Route entdecken wir mehrere Informationstafeln, die über Flora und Fauna, lokale Ortsnamen und besondere Ereignisse im Steindalen informieren. Eine dieser Geschichten ist mit dem sogenannten Fødestein verbunden, einem flachen Felsblock am Weg. Im August 1848 soll die 25-jährige Elen Margrete Hansdatter hier auf dem Heimweg von der Alm ganz allein einen Sohn zur Welt gebracht haben, bevor sie später Hilfe von anderen Wanderern erhielt.
Nach dem ersten Anstieg flacht das Gelände ab und der Weg in Richtung Steindalshytta führt uns durch eine grüne Tallandschaft mit Birken, Wiesenflächen, feuchten Abschnitten und dem rauschenden Gletscherfluss, der uns begleitet. Die schroffen Berge der Lyngenalpen thronen eindrucksvoll über dem Tal, doch die raue Moränenlandschaft am Gletscher wirkt hier noch weit entfernt.

Nach rund zwei Kilometern Wegstrecke erreichen wir die fotogene Steindalshytta. Hier machen wir erst einmal Rast und entdecken den Hinweis, dass die Wanderhütte über den örtlichen Verein gemietet werden kann. Für uns ist sie zugleich ein guter erster Orientierungspunkt auf dem Weg zum Steindalsbreen.


Durch das Steindalen zur Moräne des Steindalsbreen
Hinter der Steindalshytta führt der Weg zunächst auf einer Holzbrücke über den Tverrelva und weiter taleinwärts in Richtung des Gletschers. Zunächst bleibt das Gelände vergleichsweise flach.

Der Pfad folgt dem Talboden, während sich die Landschaft langsam öffnet und der Blick weit hinein in die Lyngenalpen reicht. Noch begleiten Wiesenflächen, niedrige Vegetation und einzelne Birken den Weg, doch mit jedem Kilometer wird die Umgebung karger.
Gerade dieser Übergang macht den Reiz der Wanderung aus. Das Steindalen verändert seinen Charakter nicht abrupt, sondern Schritt für Schritt. Der Boden wird steiniger, Schmelzwasserläufe queren zunehmend das Gelände und vor uns erhebt sich ein mächtiger Moränenrücken, der quer im Tal liegt. Spätestens jetzt wird deutlich, welche Kraft der Gletscher haben muss, um solche Landschaften zu formen.

Auch hier informieren Tafeln über die Geologie, Flora und Fauna des Tales. Besonders eindrucksvoll ist dabei der Blick auf die Moränen und Schmelzwasserflächen vor dem Steindalsbreen. Sie zeigen, wie das Eis Material transportiert, ablagert und beim Rückzug eine vollkommen neue Landschaft hinterlässt.

Über die Moränenlandschaft zum Gletschersee am Steindalsbreen
Vom Moränenrücken führt der Weg weiter in eine deutlich rauere Landschaft. Der sanfte Charakter des Steindalens liegt nun hinter uns, stattdessen bestimmen Geröll, Sand, Schmelzwasser und blanke Felsflächen das Bild.
Der Pfad ist hier anspruchsvoller als auf den ersten Kilometern und verlangt etwas mehr Aufmerksamkeit, bleibt aber bei trockenem Wetter gut nachvollziehbar.

Zwischen den Moränen wird besonders deutlich, wie stark der Steindalsbreen diese Landschaft geprägt hat. Das Eis hat Gestein transportiert, abgeschliffen, zerrieben und an seinem Rand wieder abgelagert. Dennoch siedeln sich an einzelnen Stellen bereits Moose, Flechten und erste Pflanzen an – kleine Farbtupfer in einer Umgebung aus Grau, Braun und hellem Gletscherschlamm.
Am Ziel: Der Gletschersee vor dem Steindalsbreen
Je näher wir dem Gletscher kommen, desto kälter wird es. Zwischen dem grünen Tal und dem Gletscherrand ist das Temperaturgefälle deutlich zu spüren. Zum Glück haben wir warme Kleidung dabei. Auch die Schmelzwasserläufe werden größer und bahnen sich tosend ihren Weg durch das lose Gestein.

Noch ein paar Meter, dann stehen wir tatsächlich vor dem Gletschersee am Ende des Tales, eingerahmt von den hohen, dunklen Bergen der Lyngenalpen. Eine Gruppe ist gerade noch auf dem Eis unterwegs, bevor es am Gletscherfuß ganz still wird. Nur das Schmelzwasser rauscht durch die karge Landschaft.
Je nach Licht mischen sich im Wasser das Grau der Moränen, das Blau des Eises und die hellen Spuren des Schmelzwassers. Die Sonne steht bereits tief und verschwindet wenige Minuten nach unserer Ankunft hinter den mächtigen Bergen.

Das Licht verändert sich und taucht die Szenerie in unwirklich intensive Farben. Natürlich bleiben da die Kameras nicht lange im Rucksack, denn diese Szenerie muss festgehalten werden. Nach einer ausgiebigen Fotosession setzen wir uns noch eine Weile ans Wasser und genießen den Anblick und die Ruhe, bevor wir schließlich den Rückweg antreten müssen.
Als wir den Wanderparkplatz erreichen, ist es bereits dunkel. Dort entdecken wir eine Feuerstelle, machen noch ein kleines Feuer und wärmen uns auf, bevor sich dieser lange, intensive Wandertag dem Ende neigt.

Karte, Fakten und GPX Daten der Wanderung zum Steindalsbreen
- Hier findest du eine Übersicht zu den Einstufungen und Kriterien der Schwierigkeitsgrade in Norwegen.
- Die Wanderung zum Steindalsbreen ist technisch nicht extrem schwierig. Der Abschnitt über Moränen, Geröll und lose Ablagerungen verlangt allerdings Trittsicherheit und Konzentration.
- Für ältere Kinder mit guter Kondition ist die Tour geeignet uns auch mit Hund ist sie grundsätzlich möglich, trotzdem sollte man den steinigen Untergrund und die Länge der Wanderung realistisch einschätzen.
- Am Gletschersee und im Bereich der Gletscherzunge ist besondere Vorsicht geboten. Der Gletscher sollte keinesfalls ohne Erfahrung, Ausrüstung und entsprechende Kenntnisse betreten werden. Auch am Gletscherrand können instabiles Eis, Steinschlag, Schmelzwasser gefährlich werden.
- Warme Kleidung gehört auch im Sommer in den Rucksack. Je näher man dem Gletscher kommt, desto deutlicher ist das Temperaturgefälle zu spüren.
- Als Übernachtungstipp bietet sich der Nortrip Platz bei der Aurora Distillery an. Der Platz liegt zwar nicht direkt am Ausgangspunkt der Wanderung, passt aber hervorragend als besonderer Ort in den Lyngenalpen.
- Es gibt unterwegs Möglichkeiten frisches Trinkwasser aufzunehmen.
- Drohnenflüge sind im Lyngenalpen Landschaftsschutzgebiet ohne Genehmigung nicht erlaubt. Das gilt auch im Bereich des Steindalsbreen.

Literaturtipps für deine Reise nach Norwegen
Equipment für die perfekte Wanderung
- Die passende Wanderausrüstung gibt es bei: GLOBETROTTER | BERGZEIT













Kommentieren