Finnland Rundreisen

Kastenwagen Roadtrip durch Nordeuropa: Finnland – Nordkap – Norwegen (Der Norden von Finnland / Teil 2)

Titelbild Sonnenuntergang über dem Oulanka-Nationalpark Finnland

In der Stadt Raahe – ein Ausflug in die finnische Geschichte

Wir sind inzwischen auf unserem Roadtrip durch Finnland zum Nordkapp in der finnischen Ostseestadt Kalajoki angekommen. Über alle Highlights und Erlebnisse auf diesem Abschnitt berichten wir im ersten Teil unserer Roadtrip-Story durch Finnland.

Nun geht es weiter in den Norden von Finnland und somit auch zugleich wieder ein Stück zurück in die reiche und spannende Geschichte Finnlands. Unser nächstes Ziel ist nämlich die wunderschön an der Ostseeküste gelegene Stadt Raahe. Sie wurde bereits 1649 vom Generalgouverneur Per Brahe gegründet und erlebte eine wahrhafte Blütezeit in der Ära der Segelschiffe und den starken Handelsaktivitäten auf der Ostsee. Die Hafenstädte Lübeck, Stockholm, Tallinn waren dabei nur einige der Handelspartner von Raahe.

1810 zerstörte allerdings ein Großbrand fast alle der Holzhäuser in der Hafenstadt. Daraufhin wurde Raahe, inspiriert durch den Stil der Renaissance, um den markanten Platz “Pekka” neu aufgebaut. Die gut erhaltene Altstadt besteht deshalb bis heute aus über 150 pittoresken Holzhäusern und einer gut erhaltenen Architektur aus längst vergangenen Tagen. Mit viel Liebe, Engagement und Einsatz haben die Einwohner von Raahe sich ihre Geschichte als auch die Zeugen davon erhalten und aus der Altstadt ein lebendiges Stadtviertel entstehen lassen, indem wir sehr gern durch die Gassen gebummelt sind.

Mit dem Boot hinaus in die Schären

Vom quadratischen Platz “Pekka” aus, ist man nach wenigen Schritten im Hafen der Stadt angelangt, dem gegenüber ein Schärengarten mit hunderten Inseln und Holmen zu Entdeckungstouren einlädt. Also fahren wir in der Mittagszeit mit einem der Boote hinaus, die hier den ganzen Sommer täglich Rundfahrten durch die Schären anbieten. Unser Ziel ist die kleine Insel Iso-Kraaseli, auf der man unter anderem das Wahrzeichen von Raahe, einen alten Leuchtturm ohne Leuchtfeuer bestaunen kann. Noch schöner ist aber die nur 2,5 Kilometer lange Rundwanderung durch den zwangsläufig naturbelassenen und ursprünglichen “Urwald” auf der Insel.

Die Fahrten in den Schärengarten oder auch weitere Rundfahrten kann man übrigens in der kleinen Touristeninformation buchen, die sich ebenfalls gleich neben dem Platz “Pekka”, also im Zentrum der Altstadt, befindet.

Im Café und Hotel Langin Kauppahuone in Raahe

Bei strahlendem Sonnenschein kehren wir zurück in die Stadt, um uns in der Altstadt auf der Terrasse des Cafés im “Lang Haus” einen Kaffee und ein Stück unglaublich guten Himbeere-Käse Kuchen zu gönnen. 1811 wurde das Gebäude nach dem großen Brand von dem deutschen Kaufmann Johan Lang als Handelshaus direkt am Platz “Pekka” errichtet. Lang war zur damaligen Zeit ein einflussreicher Kaufmann, besass einige Großsegler, Eisenhütten und Holzwerke. Von Raahe aus kontrollierte und steuerte er seine Handelsaktivitäten im gesamten Ostseeraum – besonders auch mit deutschen Hansestädten.

Wir kommen mit dem netten Eigentümer ins Gespräch und erfahren, dass er gemeinsam mit seiner Frau und sehr viel offensichtlicher Liebe zum Detail das alte Gebäude seit 2015 renoviert. Neben dem Café findet man hier ein Hotel, ein kleines Restaurant und die Möglichkeit, einige lokale Produkte zu erwerben. Alle Zimmer des kleinen Hotels sind einzigartig eingerichtet, nach ihren früheren Bewohnern oder Bewohnerinnen benannt und erstrahlen im historischen Glanz einer vergangenen Epoche. Wunderschön!! 

Allerdings hat soviel Authentizität auch ihren Preis: Einige Hotelgäste berichten, dass sich der alte Hausherr Johan Lang wohl immer noch in den alten Räumen seines Hauses aufhält und nachts aktiv wird. Eigenartige und zumeist unerklärliche Phänomene inmitten der Nächte sind wohl der Beleg dafür… 

Auf zur finnischen Ostseeinsel Hailuoto

Für uns geht es hingegen im warmen Abendlicht noch weiter. Etwa 100 Kilometer in Richtung Oulu liegen vor uns. Doch bevor wir die populäre Stadt an der Ostsee besuchen, planen wir einen weiteren Abstecher. Die größte Insel im Bottnischen Meerbusen ist unser Ziel: Hailuoto. Der Name klingt für uns zwar eher etwas Japanisch – aber das ist egal. Man erreicht die “Badeinsel” der Einwohner von Oulu mit einer kostenlosen Autofähre, vor der sich im Sommer am Morgen wohl auch schon mal längere Schlangen bilden. Daher folgen wir dem Tipp einer Einheimischen und nutzen lieber eine der Abendfähren. Diese legen am Abend bis in die Nacht stündlich nach Hailuoto ab.

Am anderen Ende der Insel gibt es einen Campingplatz mit Panoramablick auf das Meer, den wir für die kommende Nacht nutzen möchten. Schon jetzt ist das Licht hier draußen unbeschreiblich schön, dazu ist es noch windstill und so ist es uns vergönnt einen der schönsten Sonnenuntergänge an der finnischen Ostseeküste direkt aus unserem Kastenwagen heraus zu beobachten.

Natürlich machen wir auch noch den fast obligatorischen Abendspaziergang und beobachten das Inseltreiben bevor wir irgendwann todmüde ins Bett fallen. Das sanfte Rauschen der Ostseewellen und die Möwen in der Ferne liefern dazu das passende Schlaflied.

Minigalerie “Sommerabend auf dem Campingplatz von Hailuoto”

Die kleine Brauerei auf der Insel Hailuoto – Hailuodon Panimo

Perfekt ausgeschlafen machen wir uns daran, die Insel zu erkunden. Wir haben von einer kleinen, besonderen Brauerei auf Hailuoto gelesen. Dort “müssen” wir natürlich hin und eine halbe Stunde später sitzen wir in einer urigen Scheune. Was sollen wir sagen: Wir haben tatsächlich einen schweren Job und hoffen daher auf euer Mitleid… 🙂

Da “müssen” wir doch tatsächlich bereits am Vormittag hier draußen auf einer finnischen Ostseeinsel rumsitzen und uns durch die verschiedenen Biersorten der kleinen Inselbrauerei kosten.

Das größere Problem: Dieses liebevoll und manuell gebraute Bier aus rein organischen und streng ausgewählten Zutaten schmeckt auch noch so verdammt lecker und so bleiben wir länger als geplant in der Brauerei Hailuodon Panimo, genießen die Atmosphäre und erfahren dabei von der spannenden Story von Susanna und Jürgen, die diese kleine Brauerei mit einigen Partnern führen.

Jürgen stammt ursprünglich aus Berlin und hat dort vor vielen Jahren als Produzent und Veranstalter im Musikgeschäft Susanna kennengelernt, als sie mit ihrer nordischen Girlgroup auf Deutschland-Tournee war. Inzwischen haben sie sich in Susannas Heimat, auf der Insel Hailuoto, niedergelassen, brauen Bier, veranstalten Konzerte und empfangen Gäste auf ihrem urigen Hof. 

Gott sei Dank erklärt sich Conny anschließend bereit weiterzufahren, damit wir noch die vielen anderen schönen Ecken der finnischen Ostseeinsel Hailuoto erkunden können. Jürgen hat uns noch einige Tipps für Hailuoto, seine neue Heimat mitgegeben: So ist unter anderem der abgelegene Strand am kleinen Hafen von Sunikarin einen Abstecher wert, da man hier die Szenerie meistens für sich alleine genießen kann.

Am frühen Abend setzen wir mit der Autofähre wieder zum Festland über, um sogleich das kurze Stück in die Stadt Oulu weiterzufahren. Nach unserer Planung erreichen wir somit nunmehr den nördlichsten Punkt an der Ostseeküste, bevor wir dann erstmals in Richtung Osten und somit ins Landesinnere von Finnland abbiegen.

Oulu – die so junge und alte Stadt an der Ostsee in Finnland

Oulu: Erstes wichtiges Etappenziel unserer Tour durch Finnland zum Nordkapp erreicht, kurz innegehalten und den tollen Campingplatz für einige überfällige “Hausarbeiten” genutzt, bevor wir den Kurs erstmals wechseln und die finnische Ostseeküste in Kürze verlassen werden….

Doch zuvor möchten wir mit euch noch die Impressionen unseres Aufenthaltes in Oulu teilen – der so jungen und doch schon alten Stadt zwischen dem maritimen Feeling mit den Stränden an der Ostsee und der scheinbar fast unberührten Natur im Hinterland. Der Campingplatz am Nallikari Strand ist ein perfektes “Basecamp”, um die Stadt zu entdecken und einen erlebnisreichen Tag schließlich am Strand, dem ansprechenden “Leuchtturm” oder im Restaurant mit Blick über die Ostsee ausklingen zu lassen.

Im ersten Moment hatten wir auf dem Campingplatz das Gefühl, uns verfahren und bereits die norwegische Grenze passiert zu haben – so allein und fast verloren standen wir mit unserem Kastenwagen zwischen lauter norwegischen Campinggästen. Am späten Abend haben wir dann – in lockerer Runde und einige “Øl” später – erfahren, dass es gerade in diesem von Corona geprägtem Jahr für viele Norweger einfach eine gute Alternative war, nach Finnland zu verreisen und hier das fast mediterrane Feeling an der Ostsee zu genießen.

Für uns selbst stellen wir schnell fest, dass wir zu wenig Zeit für Oulu eingeplant haben. Wir schaffen es dennoch, die beiden Wahrzeichen von Oulu zu besuchen und zu fotografieren: Die populäre Statue von dem Marktpolizisten vor der Markthalle und ebenso den neueren und immer beliebteren Aussichtsturm “Leuchtturm” auf der Landzunge am Nallikari Strand. Noch ein kurzer Bummel durch die Stadt und dann brechen wir auf, denn wir haben eine Verabredung im Rokua Nationalpark.

Zahme Rentiere und Fatbikes im Rokua Nationalpark

Als wir auf den Bauernhof neben dem Rokua Nationalpark fahren, wartet er bereits auf uns: Keijo Kurttila. Aber wer war das noch gleich?

Keijo ist ein ehemalige finnischer Skilangläufer, der unter anderem 2005 bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften in Oberstdorf und den Olympischen Winterspielen 2002 und 2006 teilnahm. Nach seinem letzten Weltcup-Rennen 2009 hat er sich in seine alte Heimat zurückgezogen und bewirtschaftet heute unter anderem eine Farm neben dem Nationalpark Rokuan kansallispuisto – so der korrekte finnische Name der geschützten Landschaft. Dort kann man unter anderem seine zahmen Rentiere bestaunen und vielleicht auch einmal füttern….? 

Das wäre zumindest der sehnlichste Wunsch von Conny und daher verbinden wir unseren ohnehin geplanten Besuch im Nationalpark mit einem Abstecher auf der Farm von Keijo. Keine zehn Minuten später steht Conny inmitten einiger Rentiere und ist überglücklich, dass diese ihr aus der Hand fressen.

Keijo erzählt uns währenddessen voller Stolz etwas von „seinem“ Nationalpark, der ihm offensichtlich sehr am Herzen liegt.

Der Rokua Nationalpark inzwischen ein Teil des weltweiten UNESCO Geopark-Projektes für geologisch besondere Regionen. Im Rokua Nationalpark sind es die unglaublichen Sanddünen, die von den Gletschern inmitten von Finnland zurückgelassen wurden und die zwischenzeitlich mit einem scheinbar unendlichen Waldgebiet bedeckt sind. Perfekte Voraussetzungen, um diese durchweg hügelige und zugleich wunderschöne Landschaft mit einem Fatbike zu erkunden. 

Zugegebenermaßen haben wir bisher noch nie auf so einem Teil gesessen – aber es gibt für alles im Leben ein erstes Mal. Conny ist zunächst skeptisch…

Nur wenig später sitzen wir auf den Fatbikes und fahren auf der wunderbar markierten Strecke durch den imposanten Nationalpark – vorbei an magisch blauen Seen, die in der Sonne glänzen sowie durch einen scheinbar endlosen Wald.

Als wir die Bikes schließlich wieder abgeben, gesteht Conny ein, dass sie nun doch noch gern einige Kilometer gefahren wäre…

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Keijo und zum Abschied gibt er uns noch einen perfekten Tipp, wo wir mit unserem Camper-Van inmitten dieser Unendlichkeit der Natur die Nacht verbringen können. Wir finden den Platz und spüren schlagartig diese angenehme Einsamkeit als auch diese unglaubliche Stille, in der man lediglich ab und zu einige Tiere in der Ferne hört… 

In die finnische Wildnis nach Kuusamo im Norden von Finnland

Zum Abendessen gibt es frische Pilze, die wir schnell im Wald einsammeln. Dabei wird der Unterschied zwischen Deutschland und Finnland offensichtlich: In Deutschland geht man Pilze suchen, in Finnland kann man sie tatsächlich sammeln…

Am nächsten Morgen verlassen wir die ursprüngliche Landschaft am Rokua Nationalpark und fahren einige Kilometer in Richtung Kuusamo – einer ländlichen Gemeinde 60 Kilometer südlich vom Polarkreis und direkt an der russischen Grenze gelegen. Umgeben von einigen Nationalparks und endlosen, dichten Waldgebieten bietet Kuusamo unvergessliche Erlebnisse. In den unglaublich mächtigen Wäldern, die sich bis weit in das Territorium Russlands erstrecken, leben einige Braunbären und somit hat man hier beste Vorraussetzungen, diese imposanten Tiere in ihrem natürlichen Umfeld, in freier Wildbahn zu beobachten.

Kastenwagen Romantik im Norden von Finnland

Bären in freier Wildbahn bei Kuusamo beobachten

Natürlich lassen wir uns diese Chance nicht entgehen und nach einigen E-Mails ist klar, dass wir gleich nach unserer Ankunft in Kuusamo noch am selben Abend mit Anna von Karhu-Kuusamo in den Wald gehen, um vielleicht “ihre” Bären zu beobachten. Wir erhalten die Koordinaten von einem Treffpunkt auf einem Waldparkplatz, 2 Kilometer von der russischen Grenze entfernt, den wir entgegen unserer ersten Befürchtungen tatsächlich finden. Gemeinsam mit Anna und weiteren Gästen gehen wir ein Stück durch den Wald zu einer abgelegenen, getarnten Schutzhütte oberhalb einer Lichtung. Hier werden wir die nächsten vier Stunden ausharren und darauf hoffen, dass sich die Bären sehen lassen. 

Das 500er Objektiv ist noch gar nicht richtig auf die Kamera geschraubt und die Einstellungen noch nicht mal überprüft, da gibt Anna uns ganz leise ein Zeichen: Es bewegt sich tatsächlich etwas am Waldrand…. Wenig später tritt ein stattlicher Braunbär in das warme Licht dieses wunderschönen Sommerabends – was für ein Erlebnis. Wir haben ein riesiges Glück, sehen ganze Bärenfamilien, einige Bärenjungen aus dem vorigen Jahr und fotografieren in dem unglaublichen Licht unsere Akkus leer – beeindruckt von diesem Schauspiel inmitten der finnischen Wälder. Anna liebt “ihre” Bären ganz offensichtlich, kennt von den meisten das Alter sowie einige Anekdoten und freut sich, genau wie wir, über jeden Bären der auf der Lichtung auftaucht.

Nach etwa 4 Stunden gehen wir überglücklich zum Parkplatz zurück und sichten, immer noch überwältigt, bis spät in die Nacht unsere Bilder.

Wanderung auf der “Kleinen Bärenrunde” beim Oulanka Nationalpark

Nach unserer beeindruckenden und unvergesslichen Bärenbeobachtung ist es mal wieder an der Zeit, selbst durch die grandiose Natur Finnlands zu wandern und vielleicht einige der mächtigen Tiere zu sehen…. Was eignet sich da besser, als die wohl offiziell populärste Wanderung in Finnland, die sogenannte “Bärenrunde”?

Es gibt davon zwei Versionen: Eine mehrtägige Tour über 86 Kilometer durch den Oulanka National Park und eine kürzere Variante, die nur einen Teil dieser Strecke ausmacht und etwa 12 Kilometer lang ist. Diese Rundwanderung mit dem finnischen Namen Pieni Karhunkierros beginnt in Juuma und führt von dort aus über Hängebrücken, Steige, Treppen und durch eine sagenhaft schöne, unberührte Natur. 

Entlang der Strecke findet man einige Nothütten sowie Lager – und Feuerplätze, die jeder Wanderer nutzen kann. Besonders lustig ist es, wenn man sich den Rastplatz – wie in unserem Fall – mit einem der Rentiere teilen muss, die man hier zwangsläufig trifft. Womit wir beim Thema wären: Bären haben wir auf der Bärenrunde dann doch keine gesehen, was aber wohl auch daran liegt, dass hier zwischenzeitlich einfach zu viele Wanderer unterwegs sind. Daher haben wir einfach die herrliche Natur und den genialen Weg genossen, der nie langweilig wird und immer wieder neue Eindrücke bietet.

Das macht Lust auf mehr und so spielen wir mit dem Gedanken, in der nächsten Zeit sogar einmal die längere Version dieser Tour zu gehen, denn es muss einfach fantastisch sein, hier draußen einige Tage zu verbringen – weitab vom Irrsinn unserer Zeit..

Echte finnische Sauna-Erlebnisse in der Nähe von Kuusamo

Nach dem Erlebten der letzten Tage freuen wir uns nun auf ein kleine Auszeit. Bereits im Vorfeld unserer Reise sind wir auf die vielen verlockenden Angebote rund um die finnische Sauna in der Region rund um Kuusamo aufmerksam geworden. Perfekte Voraussetzungen, um einmal mehr eine echte finnische Sauna zu genießen und vielleicht gleich noch etwas mehr darüber zu erfahren.

So sitzen wir dann auch am nächsten Abend bei Tanja in ihrem gemütlichen Holzhaus am See Ala Vuotunki, trinken einen Kaffee und hören von ihr spannende Geschichten und viele Details zu der finnischen Saunatradition. 
In jedem Fall erkennen wir sehr schnell, dass die finnischen Saunen in Deutschland mit dem Döner, der Pizza oder der Peking-Ente etwas gemeinsam haben: Sie alle haben wenig mit dem Original in ihrem jeweiligen Herkunftsland zu tun…

Anschließend lassen wir es uns richtig gut gehen und genießen die willkommene Auszeit in den verschiedenen Saunen, die Tanja für ihre Gäste aus aller Welt betreibt: Zuerst geht es – um im wahrsten Sinne des Wortes warm zu werden – in die normale elektrische Sauna. Nach einer Abkühlung im See folgt ein Saunagang in der finnischen Dampfsauna. In den Pausen relaxen wir meistens am prasselnden Kamin und trinken Birkenblätter-Tee. Der letzte Saunagang führt uns dann in die traditionelle holzbefeuerte Sauna, in der wir zugleich etwas über die verschiedenen Hölzer erfahren, mit denen sich die Finnen die Haut abklopfen bzw. peitschen. Tanja scheint für wirklich jeden Bedarf und alle Wehwehchen die passenden Hölzer und Zweige zu kennen. 

Zum Schluss lassen wir diesen wunderschönen Abend im befeuerten Jacuzzi auf der Terrasse ausklingen. Es ist spät geworden und selbst hier, unweit vom Polarkreis, fängt es langsam an zu dämmern. Dazu riecht es erstmals leicht nach Herbst und über dem See steigen erste Nebelschwaden auf…

An den Stromschnellen Kiutaköngäs im Oulanka Nationalpark

Wir verabschieden uns auch diesen erholsamen Stunden spät in der Nacht sehr herzlich von Tanja und schlafen wenig später, auf einem wunderschönen Platz neben dem See, wie die Murmeltiere in unserem Kastenwagen. Dermaßen entspannt und erholt starten wir am nächsten Morgen ein kurzes Stück in Richtung Norden. Nach den unvergesslichen Eindrücken von der “Kleinen Bärenrunde” am Rande des Oulanka Nationalparks möchten wir gern noch das Nationalpark-Besucherzentrum aufsuchen und von dort aus die kurze Wanderung zu den Stromschnellen Kiutaköngäs gehen. Das Wetter ist eben so perfekt wie der gut markierte Weg und so stehen wir später inmitten dieser Naturkulisse, beeindruckt von der unbändigen Kraft des Wassers und der Schönheit unserer Natur.

Einheimische berichten uns hingegen, dass diese Naturlandschaft einmal mehr durch die Gier und Idiotie der Menschen bedroht ist. Man hat in der Region einige Bodenschätze gefunden, für die sich wohl einige ausländische Konzerne gerade die Schürfrechte sichern. Dann wäre es vorbei mit der Unberührtheit und Unversehrtheit dieser einmaligen Landschaft und wir könnten kein Wasser mehr aus glasklaren Bächen und Flüssen trinken…

Mit diesen Gedanken im Kopf reisen wir weiter, in eine ebenfalls bedrohte Kulturlandschaft, an den heiligen See der Samen, den Inari-See im Nordosten von Finnland. Doch wir kommen nur bis Tankavaara, einer alten Goldgräberstadt im finnischen Teil von Lappland…. Wann hat man denn auch schon mal das Glück, nach Gold zu suchen und so sein Einkommen aufzubessern?

Wir überqueren den Polarkreis bei Kuusamo

Wir überqueren auf der Europastraße E 63 den Polarkreis ein Stück oberhalb von Kuusamo, müssen uns mit einigen Rentieren auf und neben der Straße “auseinandersetzen” und genießen dazu die Weite und Ursprünglichkeit der wunderschönen finnischen Landschaft. Auf diese Weise erreichen wir irgendwann und eher zufällig das Goldsucher-Dorf Tankavaara. Am Straßenrand weißt ein Hinweisschild auf das Goldmuseum von Lappland hin. Goldmuseum??Gold!? Also anhalten, Spaten raus und einmal Lappland umgraben…

Tatsächlich sind einige Regionen im Norden Finnlands bis heute geprägt von der Suche nach Gold, welches man hier irgendwann fand. Natürlich haben wir weder Gold gesucht, noch geschürft oder gewaschen. Stattdessen haben wir uns im Museum und im alten Dorf Tankavaara umgeschaut, einiges über die Tradition der Goldsuche in Lappland erfahren und zugleich noch gelernt, dass hier sogar die Weltmeisterschaften im Gold schürfen ausgetragen werden. 

Der Inari-See, der heilige See der Samen im Norden von Finnland

Unsere Fahrt führt uns weiter in den Ort Inari, der eher klein aber erstaunlich modern ist. Unter anderem kann man im dortigen Museum viel Wissenswertes über die Geschichte und Kultur der Samen erfahren. Unweit vom samischen Museum Siida gibt es im Wald einen Parkplatz, an dem eine wunderschöne Wanderung in unmittelbarer Umgebung des Inari-See beginnt.

Nach etwa 5 Kilometern Wanderung durch die sagenhafte nordfinnische Natur gelangt man an eine ganz besondere Kirche: Die Kirche von Pielpajärvi wurde um 1760 fertiggestellt und war hier das Zentrum des ursprünglichen Winterdorfes der halbnomadischen Samen. Diese trafen sich im Winter an diesem Ort und nutzten neben der Kirche das damalige kleine Dorf. Später verlagerte sich dieses Dorf immer mehr in Richtung des heutigen Inari und seitdem kann man zumindest die immer noch gut erhaltene Kirche auf dieser schönen Wanderung erreichen und sogar von innen bestaunen.

Nach dieser wunderschönen Tour folgen wir der Straße immer am Ufer des Inari entlang und durch die abgelegene und eigentümlich schöne, unberührte Landschaft Nordfinnlands in Richtung der Finnisch – Norwegischen Grenze. Ein letzter Halt in Sevettijärvi, ein kurzer Besuch im dortigen Erinnerungshaus der Volksgruppe der Skolt-Samen und letzte Einkäufe auf finnischer Seite im kleinen Grenzort Näätämö, bevor die nächste Etappe unserer Tour zum Nordkap beginnt, die uns nunmehr durch den Norden Norwegens, die Finnmark führen wird.

Kiitos!!

Doch bevor wir Finnland verlassen wollen wir allen danken, die uns auf den ersten Etappen unserer “NORDLAND TOUR 2020” durch Finnland unterstützt, begleitet, bewirtet, verwöhnt, beherbergt, bedacht, geliked, gefahren, mitgenommen und unsere Beiträge kommentiert haben – es war eine tolle Zeit in Finnland und wir kommen sicher als auch sehr gern wieder…. Bis dahin sagen wir “Dankeschön” oder eben ganz stilecht auf Finnisch “Kiitos”.

Wie es auf unserem Roadtrip “NORDLAND TOUR 2020” in Norwegen weitergeht und wir wir schlussendlich den nördlichsten Punkt unserer Reise, das Nordkap, erreichen, erfahrt ihr im nächsten Teil dieser Beitragsreihe….

Hier siehst du in der Landkarte die beschriebene Route durch Finnland:

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Empfohlene Literatur*

DuMont Reiseführer Finnland / Ausgabe 2018

Zahllose Seen, kleine Inseln – die Schären – und endlose Wälder prägen Finnland. Abenteurer können hier ihren Traum vom rustikalen Urlaub Wirklichkeit werden lassen.

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Autor / Autoren:

Conny und Sirko

Conny und Sirko

„Ja, wir lieben dieses Land…“- so beginnt die norwegische Nationalhymne, und ja, auch wir – Conny & Sirko – lieben dieses Land, die Einwohner, die grandiose Landschaft, den Frieden und die Ruhe, die wir dort und in ganz Skandinavien finden. Wir waren inzwischen über dreißig Mal im Norden unterwegs – zu verschiedenen Zeiten, in vielen Regionen und in allen Variationen. Unseren Reiseblog Nordlandblog entwickeln und schreiben wir mit viel Liebe und Herzblut, denn so haben wir die Möglichkeit, uns das permanente Fernweh nach dem Norden von der Seele zu schreiben und euch hoffentlich ebenfalls dafür zur begeistern. Also: Kurs auf Norden !

6 Kommentare

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  • Hallo Ihr beiden,

    nach Eurer Karte steht Ihr kurz vor der Grenze von Finnland nach Norwegen.
    Nach welchen Regeln werdet Ihr in der aktuellen Lage behandelt?
    Ich drücke Euch die Daumen dass Ihr nach Norwegen einreisen dürft!

    Ich bin nur noch dankbar das ich nach Norwegen einreisen durfte!
    Unsere Reise dauerte vom 23.07. bis zum 08.08. und war ohne Probleme möglich.
    Wir hatten genau das Zeitfenster der offenen Grenze getroffen ohne den geplanten Urlaub zu verschieben.

    Es war wieder schön mit den Einheimischen zu sprechen und die Landschaft zu genießen.
    Erst waren wir am Hardangerfjord (mit einem phantastischen Blick auf die Hardangerbru) und dann am Nordfjord.
    Wir hatten “Vestlandsvær” wie der Vermieter meinte, es störte aber nicht.
    Als Tourist in Norwegen muss man auf einige Regentage vorbereitet sein.

    Gruß Frank

    • Hei Frank,

      vielen Dank für deine netten Zeilen, die guten Wünsche als auch deine Gedanken, die du dir um unsere Reise und unser Wohlergehen machst. Tatsächlich hatten wir die Situation im Auge und waren schnell als auch flexibel genug, um noch rechtzeitig nach Nordnorwegen zu fahren. Insofern müssen und werden wir den Beitrag hier in den nächsten Stunden aktualisieren, denn Finnland liegt damit hinter uns. Allerdings ist derzeit und damit wohl auch unser Rückweg abgeschnitten, denn die Color Line fährt derzeit wegen der aktuellen Entwicklungen in Norwegen wohl auch keine reguläre Verbindung Kiel – Oslo. Aber da bleiben ja immer noch die Brücken…

      Du kannst sehr froh sein, dass du die kurze Zeit im Sommer für deine Reise genutzt hast, denn aktuell weiß ma ja wirklich nicht, wann es mal wieder möglich sein wird. Verrückte Zeiten…

      In jedem Fall liefern wir solange es geht und bis auf Weiteres hier noch einige Impressionen aus dem schönen Norwegen. Wir senden dir daher liebe Grüße aus dem Norden deines Herzenslandes,
      Conny und Sirko

  • hejsa
    schade das wir wohl nicht in finnland reinkommen so wie der stand momentan ist. Noch haben wir ja ne knappe Woche auf den Lofoten vor es zurück gehen soll entweder über schweden oder halt teils finnland.

    • Hei Dennis,

      in der Tat ist ab morgen die Grenze von Norwegen und / oder Deutschland nach Finnland leider erst einmal wieder dicht… Das tut uns für alle leid, die ebenfalls in der nächsten Zeit das großartige Finnland entdecken wollten und natürlich für alle Menschen im Land, die auf existentiell auf Touristen angewiesen sind. Insofern bleibt euch nur die Rückfahrt durch Schweden oder eben durch Norwegen – wo sicher noch einige spannende Ecken zu entdecken sind… 🙂 Falls ihr Tipps dafür braucht, dann meldet euch gern jederzeit noch einmal.

      Liebe Grüße aus dem Norden von Norwegen,

      Conny und Sirko

  • Ich lese wie immer mit großer Begeisterung Eure Artikel und kann mich an den Fotos gar nicht satt sehen. Da weiß ich, dass der Kauf des Tablets aber sowas von sinnvoll war.
    Wie sieht es eigentlich mückentechnisch in Finnland aus? Neigt sich die Mückensaison im August schon dem Ende zu?

    Weiterhin viele schöne und spannende Momente wünscht
    Sylvia

    • Liebe Sylvia,

      zunächst vielen Dank für deinen sehr schönen und auch motivierenden Kommentar. Da werden und wollen wir mal schauen, dass wir noch viele schöne Impressionen, Inspirationen und Informationen für dich, dein Tablet 🙂 und alle anderen Leser veröffentlichen können.

      Was die Mücken anbelangt, muss man deutlich differenzieren: An der Ostseeküste hatten wir damit kaum bzw. ohnehin keinerlei Probleme. Im Binnenland an den Seen hängt es stark vom Wetter und der Region ab: An einem See hatten wir an einem lauen, windstillen Sommerabend mächtige Attacken, konnten uns aber mit einem nordeuropäische Mückenmittel (“Dschungelöl” auf gut deutsch) gut dagegen wehren. An anderen Plätzen und sobald es windig war oder ist, kommt man auch so zurecht. Fakt ist aber, dass zumindest Mitte August die “Mückensaison” noch nicht wirklich vorbei ist…

      Liebe Grüße aus dem Norden und bis zum nächsten “Wiederlesen” alles Gute,
      Conny und Sirko

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