Seit fast zwei Jahrzehnten zieht es mich immer wieder nach Norwegen, das für mich zu den schönsten, sichersten und gastfreundlichsten Ländern Europas zählt. Früher war ich mit bis zu drei Beagles unterwegs, heute reise ich gemeinsam mit Jay, meinem treuen Vierbeiner, und Carl, unserem Wohnmobil, durch dieses beeindruckende Land.
Neben den großartigen Landschaften faszinieren mich die norwegische Kultur, die besondere Architektur sowie die Geschichte des Landes. Dennoch entdecke ich bei jeder Reise neue und spannende Facetten.
Wer gerne in einem überwiegend angenehmen Klima mit seinem Hund in der Natur unterwegs ist, umgeben von Bergen, Meer und klaren Seen, findet hier sein perfektes Reiseziel. Besonders dann, wenn man im eigenen Zuhause auf vier Rädern durch das Land reist.



Leinenpflicht in Norwegen: Schutz für Wildtiere und Weidetiere
Vor der Einreise nach Norwegen sollten Hundebesitzer sich jedoch mit den geltenden Einreisebestimmungen für Hunde vertraut machen. Zu beachten ist außerdem die generelle Leinenpflicht, die vom 1. April bis zum 20. August gilt – vielerorts auch darüber hinaus. Der Schutz von Wild- und Weidetieren hat in Norwegen hohe Priorität.
Besonders in Regionen, in denen Schafe frei umherziehen können, ist eine zuverlässige Sicherung des Hundes unabdingbar. Während unseres Aufenthalts in diesem Jahr kam es im Nordland Norwegens zu mehreren Vorfällen, bei denen Schafe von Hunden deutscher Urlauber schwer verletzt oder sogar zu Tode gehetzt wurden.



Was viele nicht wissen: Im norwegischen Jagdgesetz sowie im Gesetz zum Schutz von Nutztieren sind klare Konsequenzen für solche Fälle geregelt. Es drohen hohe Schadensersatzforderungen bis hin zur Einschläferung des Hundes – abhängig vom Schweregrad des Vorfalls.
Für mich als Hundebesitzerin ist es selbstverständlich, dass ich Jay in Schafsgebieten und unübersichtlichem Gelände stets an der kurzen Leine führe. Ansonsten nutze ich gern eine lange Flexileine, an der sich Jay auf sicheren Wegen im Radius von acht Metern bewegen kann – perfekt zum Austoben, Schnüffeln und Abkühlen in einem Bach, See oder im Meer.



In Norwegen gibt es übrigens auch sogenannte Hundewälder (Hundeskogen) – eingezäunte Freilaufflächen, auf denen Hunde ohne Leine laufen dürfen.
Prinzipiell erlebe ich die Norweger als sehr hundefreundlich. Zwar gilt in ganz Skandinavien die Regel, dass Hunde gastronomische Einrichtungen nicht betreten dürfen, doch in diesem Jahr habe ich häufiger erlebt, dass Hunde zumindest im Außenbereich von Restaurants und Cafés nach Rücksprache willkommen waren.
Bislang habe ich nur einen Wohnmobilstellplatz erlebt, auf dem Hunde (und übrigens auch Kinder) nicht erwünscht waren. Ansonsten durfte mich Jay bislang überallhin begleiten, meist sogar ohne zusätzliche Kosten.


Mit Hund auf der Fähre – unsere Erfahrungen auf See
Für die Anreise nach Norwegen nutze ich grundsätzlich Fähren. Besonders gern nehme ich die neunstündige Fährpassage von Travemünde nach Trelleborg, die ich immer mit einer Hundekabine buche – für Jay und mich die angenehmste Lösung. Mein Beagle lehnt die an Deck aufgestellten Container für „hündische Geschäfte“ kategorisch ab, und so ist die entspannte Nachtfahrt für uns beide ideal.
Die Rückreise von Larvik oder Kristiansand nach Hirtshals buche ich meist erst ein bis zwei Wochen vorher, um flexibel zu bleiben. Die drei bis vier Stunden auf dem Skagerrak verbringt Jay in seiner geliebten Box im Wohnmobil. Selbst bei starkem Wellengang bleibt er seelenruhig liegen, während Frauchen aufgrund der Schaukelei noch etwas grün im Gesicht ist.
Auf Norwegens Inlandsfähren
Einige Fährgesellschaften bieten auch Hundeboxen an Bord an. So habe ich es bei der Anreise zu den Lofoten erlebt: Bei der Überfahrt von Bodø auf die Insel Værøy war ein Pudel in einer Drahtbox untergebracht. Herrchen und Frauchen saßen abwechselnd am Boden nahe des Außendecks, um ihm beizustehen.
Bei den 26 von 27 Inlandsfähren in Norwegen, die wir in diesem Jahr genutzt haben, blieb Jay im Fahrzeug – je nach Situation entweder allein oder gemeinsam mit mir, wenn es sich um eine offene Fähre mit kurzer Überfahrt handelte. Nur auf einer einzigen Strecke im Nordland konnten wir bislang einen sogenannten „Hundesalong“ nutzen – ein spezieller Bereich an Bord für mitreisende Vierbeiner.


Da der Zugang zum Außendeck oft nur durch den Bistrobereich führt, müssen Hunde generell im Fahrzeug bleiben. In der Praxis habe ich jedoch öfter erlebt, dass Hunde aufs Außendeck „geschmuggelt“ wurden. Das wurde meist toleriert, aber es gab auch Fälle bei denen das Fährpersonal eingeschritten ist.
Ich empfehle deshalb allen Reisenden mit Hund, das Alleinbleiben im Fahrzeug im Vorfeld gut und regelmäßig zu üben. Gerade als alleinreisende Hundebesitzerin ist das für mich besonders wichtig. Sonst könnte ich mich auf der Fähre nicht frei bewegen, irgendwo einkaufen, ein Museum besuchen oder eine externe Dusche nutzen.
Wandern mit Hund in Norwegen
Die Wandermöglichkeiten in Norwegen sind vor allem mit Hund nahezu grenzenlos und absolut großartig. Da ich glücklicherweise von einem sehr lauf- und kletterfreudigen Hund begleitet werde, nutzen wir diese Möglichkeiten gerne und in vollen Zügen. Wir beide lieben insbesondere ansteigende, steinige Pfade, bei denen Jay ausgiebig schnüffeln, ich wunderbar abschalten und die Ausblicke unterwegs genießen kann.



Natürlich muss jeder für sich und seinen Hund entscheiden, wie lang, steil oder anspruchsvoll eine Route sein darf. Ich informiere mich vor jeder Tour gründlich über Strecke und Wetter, denn für uns gibt es ein paar klare No-Gos: Leitern, steile Kletterstellen und rutschige Steinpassagen bei Regen.
Mein Beagle lässt sich weder in einem Rucksack noch in einem Tragegurt transportieren – auch sein Gewicht würde mich davon abhalten, ihn über gefährliches Terrain zu tragen. Damit wir unsere Touren auch genießen können und nicht abbrechen müssen, ist eine gute Vorbereitung daher entscheidend.



Allein unterwegs – Einsamkeit und Sicherheit
Immer wieder werde ich gefragt, ob ich mich nicht fürchte, oder ob es nicht einsam sei, ganz allein mit Hund durch Norwegen zu reisen. Meine Antwort darauf ist ein klares “Nein”.
Ich habe mich in keinem anderen Land je so sicher gefühlt wie hier. Meine Reiseziele plane ich im Vorfeld gut, informiere mich auch unterwegs intensiv über Region, Geschichte und Sehenswertes.



Ob zu Fuß oder mit dem Wohnmobil: Ich kalkuliere mögliche Risiken bewusst mit ein und lasse mir viel Zeit, denn für mich steht Sicherheit immer vor Tempo oder Aktionismus. Mein aktueller Standort ist mit engen Kontakten jederzeit teilbar, und im Ernstfall bin ich überzeugt: Hilfe wäre schnell zur Stelle.
Was diese Reisen aber besonders wertvoll macht, sind die Begegnungen – auf Stellplätzen, bei Wanderungen, unterwegs auf Fähren oder in kleinen Orten. Wir treffen immer wieder auf Menschen und Hunde mit spannenden Geschichten, ganz unterschiedlichen Erfahrungen und einer Offenheit, die ich sehr schätze. Manche dieser Begegnungen bleiben flüchtig – andere hinterlassen Spuren.



Und wohin geht die Reise im nächsten Jahr? Ganz sicher wieder nach Norwegen – in unser zweites Zuhause zwischen Fjord, Fjell und Freiheit.
Ha det bra. Heidi, Jay & Carl













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