Süddänemarks steile Küsten, stille Buchten und verträumte Inseln im Osten – endlose Strände, raue Brandung und das grenzenlose Wattenmeer im Westen: Eingebettet zwischen Nordsee und Ostsee lassen sich die zunächst im Stillen verborgenen Schönheiten und Highlights Sønderjyllands entdecken, erleben und erkunden. Unsere zweiwöchige Wohnmobil-Reise bot dementsprechend spannende Einsichten und ungeahnte Ein- und Ausblicke, die wir in diesem Beitrag mit euch teilen möchten.
“Nur Dänemark” war der treffende und wunderbar selbstironische Titel einer dänischen Kampagne für Urlaub im eigenen Land. Ein Gedanke, der uns vor dieser Reise mehr als einmal durch den Kopf ging: „Ihr fahrt diesmal nur nach Dänemark?“ wurden wir wiederholt gefragt, als ob Dänemark alleine nicht spannend genug wäre.

Und ganz ehrlich, wir haben sie uns mehr als einmal selbst gestellt. Zu oft war Dänemark für uns bislang nur ein Transitland gewesen. Schnell Richtung Norden, weiter zu vermeintlich spektakuläreren Zielen jenseits des Polarkreises.
Dabei vereint Sønderjylland auf engem Raum zwei völlig unterschiedliche Welten: Im Osten steile Küsten, geschützte Buchten und verträumte Inseln in der Ostsee. Im Westen endlose Strände, raue Brandung und das schier grenzenlose Wattenmeer der Nordsee. Dazwischen eine Landschaft, die viel Raum lässt – für Ruhe, für Begegnungen und für das, was in Dänemark oft mit einem einzigen Wort beschrieben wird: Hygge.
Aber sie überrascht auch mit gut erhaltenen Relikten vergangener Zeiten, kleinen idyllischen Hafenstädten, herrlichen Wanderwegen entlang der Küste – oder einem einfachen Hotdog mit Blick über die Förde. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt hier, fernab überlaufener Instagram-Hotspots, ein fast unverfälschtes Skandinavien.

Unser Wohnmobil–Roadtrip führte uns an der Ostseeküste entlang, über Inseln im Kleinen Belt, durch alte Hafenstädte und anschließend bis an die Nordsee auf die Insel Rømø. Und weil Sylt quasi gleich nebenan liegt, darf auch ein kleiner Abstecher auf die berühmteste Insel Deutschlands nicht fehlen …
Überquerung des Hotdog-Äquators
So machen wir uns auf den Weg und beginnen unsere Reise nur wenige Fahrminuten nördlich der Grenze, genau dort, wo für Viele Dänemark wirklich beginnt – an der wohl bekanntesten und legendärsten Hotdog-Bude des Landes. “Annies Kiosk” ist mittlerweile eine echte Institution und vermutlich der einzige dänische Imbissstand mit einem Wikipedia-Eintrag. bereits seit 1936 werden hier, in Sønderhav, die leckeren Würstchen im Hörnchen in allen Varianten serviert, und selbst Angela Merkel zählte bereits zu den Gästen.

Mit einem Blick über die Förde bis nach Flensburg genießen wir also unsere erste dänische “Spezialität” in einer Region, die einst durch geschichtliche Verwerfungen und kriegerische Auseinandersetzungen geprägt war und heute über alle Grenzen hinweg zusammenwächst.
Selbst der einstige Uferweg für dänische Grenzpatrouillen ist mittlerweile als “Gendarmstien” zu einem der beliebtesten Fernwanderwege Dänemarks ausgebaut. Einige Etappen dieser zunehmend populären Küstenwanderung liegen unweit unserer Route und gehören daher in den nächsten Tagen zu unseren Zielen.
Unsere erste Etappe auf dem Gendarmstien
Nach der quasi rituellen Stärkung an “Annies Kiosk” verbringen wir eine ruhige Nacht auf dem Campingplatz First Camp Frigård. Er liegt etwas oberhalb der Strandlinie, ruhig inmitten der Küstenwälder. Zudem gibt es einen Brötchenservice und so kann der nächste Tag perfekt beginnen. Denn Brötchen backen können die Dänen …

Dann heißt es Rucksack packen und auf nach Kollund Skov. Dort, auf einem der Waldparkplätze, beginnen wir die Wanderung auf der ersten Etappe des Gendarmstien. So wandern wir zunächst ein Stück durch den Wald und folgen anschließend der Küstenlinie bis zur Schusterkate an der deutsch-dänischen Grenze.

Der Gendarmstien ist ein rund 84 Kilometer langer, wunderbar abwechslungsreicher Wanderweg, der dicht entlang der deutsch-dänischen Grenze verläuft – immer in Küstennähe und mit vielen beeindruckenden Ausblicken auf die Flensburger Förde. Keine Sorge: Man muss die gesamte Strecke nicht auf einmal gehen. Der Weg ist in fünf Etappen gegliedert und lässt sich ganz flexibel an verschiedenen Punkten beginnen oder unterbrechen.
Seinen Namen verdankt der Gendarmstien den dänischen Grenzgendarmen, die nach der Volksabstimmung von 1920 hier entlang patrouillierten – stets auf der Suche nach Schmugglern. Noch heute kann man auf dem Weg in ihre Geschichte eintauchen, alte Grenzsteine entdecken und unterwegs zahlreiche Sehenswürdigkeiten erkunden.
Die Route führt durch hügelige Küstenlandschaften, Wälder, Felder und kleine Orte und wurde 2015 als erster dänischer Fernwanderweg mit dem Gütesiegel „Leading Quality Trail – Best of Europe“ ausgezeichnet.
- Parkplatz-Tipp für den Einstieg: 54.886158, 9.729120
- Weitere Infos: www.gendarmsti.dk
- Schwierigkeitsgrad: je nach Etappe leicht bis mittel



Der schmale Pfad schlängelt sich dabei größtenteils durch den rund 130 Hektar großen Kollund Skov, einen dichten Laubwald direkt an der Flensburger Förde. Im Schatten der alten Bäume geht es vorbei an Lichtungen, die immer wieder den Blick auf das Wasser freigeben. Einfach herrlich und auch als kleine Rundwanderung machbar.
Wandern in Süddänemark: Steilküste von Broagerland
Nur etwa 30 Kilometer entfernt befindet sich bereits unser nächstes Etappenziel, der Campingplatz Gammelmark Strand Camping. Das großflächige Ressort liegt ganz idyllisch, etwas abgeschieden auf der ruhigen Halbinsel Broagerland gegenüber der Stadt Sønderborg. Für uns somit ein idealer Ausgangspunkt für Radtouren in der Region und nach Sønderborg.

Lediglich der omnipräsente “Gendarmstien” trennt die Stellplätze von der seichten Brandung der Ostsee. Natürlich ist damit eine weitere Wanderetappe entlang der imposanten, teils steilen Küste gesetzt. Im warmen Licht des späten Tages folgen wir der Küstenlinie und sind fasziniert von den herrlichen Aussichten bis hinüber zum Als Sund.

Einige Abbrüche an dem Steilufer und umgestürzte Bäume unterhalb des Weges lassen die urgewaltigen Naturkräfte der letzten Sturmflut erahnen und verleihen der Landschaft auch hier etwas Wildes, ja fast Ursprüngliches.

Sønderborg – ein Ort zwischen Grenzen, Geschichte und Meer
Am Folgetag brechen wir auf, um die Region auf der gegenüberliegenden Uferseite der Bucht zu erkunden. Kultur, urbanes Leben und Geschichte sind heute angesagt … Denn die Windmühle Dybbøl Mølle, ist inzwischen eines der geschichtsträchtigen Nationalsymbole Dänemarks.

Die imposante Mühle thront stolz über dem Schlachtfeld, auf dem am 18. April 1864 eine entscheidende Schlacht zwischen dänischen und preußischen Truppen stattfand. Das benachbarte Museum Dybbøl Banke hält die Erinnerung an diese Ereignisse mit einer eindrucksvollen Ausstellung und interaktiven Erlebnissen lebendig.




Ebenso eindrucksvoll erzählt die Ausstellung im Schloss Sønderborg von den spannenden und tragischen Kapiteln der regionalen Geschichte – einer steten Auseinandersetzung um Macht und Grenzverläufe. Vom Schlossplatz (Parkplatz auch für Wohnmobile) kann man entlang der ansprechenden Hafenpromenade bis zum neu errichteten, kostenfreien Meeres-Schwimmbad, zum Hotel Steigenberger Alsik mit seiner schwindelerregenden Aussichtsplattform oder ins historisch gewachsene Zentrum gelangen.






Etwas außerhalb des malerischen Stadtzentrums findet sich eine weitere Attraktion. Vom riesigen hölzernen Schuh “Støvlen”, einem ungewöhnlichen Aussichtsturm, bietet sich ein Blick über die Umgebung. Zugleich beginnen hier einige Wanderwege und Picknickplätze laden zum Verweilen ein.

Unterwegs auf Als – Dänemarks heimlicher Schatzinsel
Am nächsten Tag nutzen wir “unseren” Campingplatz in Gammelmark erneut als Ausgangspunkt für einen Inseltrip. Denn die Ostseeinsel Als, gut mit dem Rad oder Auto erreichbar, ist eine wahre Schatzkiste an vielfältigen, teils versteckten Highlights. Die drei Leuchttürme Kegnæs Fyr, Taksensand Fyr und Nordborg Fyr lassen die Herzen von Fotografen und Fans maritimer Bauwerke garantiert höher schlagen.

Zudem vermitteln zahlreiche historische Orte wie Schloss Augustenborg, die alte Fischerkate bei Stevning nor sowie die imposante Wassermühle Vibæk Mølle oder der restaurierte Hof Jollmands Gaard ein Gefühl vom Inselleben vergangener Tage. Wer hingegen ein spektakuläres Roadtrip-Feeling sucht, sollte einen Abstecher über den Damm Kegnæsvej einplanen. Ein schmales Band aus Asphalt, beidseitig von der Ostseebrandung umspült (Titelbild).




Direkt neben dem großen Parkplatz vor dem Damm Kegnæsvej befindet sich eine Entsorgungsstation für Grau- und Schwarzwasser. Weitere Informationen zu den Entscheidungen- und Versorgungsmöglichkeiten in Dänemark findet ihr in unserem ausführlichen Beitrag “Dänemark im Wohnmobil“.
Strände und kleine Häfen, etwa in Mommark, verleihen der Insel ein besonders maritimes Flair. Wenn im Sommer unzählige Wildblumen die Ränder goldgelber Felder und saftig grüner Wiesen säumen, fühlt man sich inmitten eines fast makellosen Skandinavien-Idylls – fernab großer Touristenmassen.

Ein Idyll, dass sich ebenfalls auf einem herrlichen Küstenwanderweg zu Fuß entdecken lässt. Denn der “Alsstien” verbindet die schönsten Plätze und Orte entlang der Ostküste zu einer erlebnisreichen Wanderung.
Der Alsstien ist ein 64 Kilometer langer Fernwanderweg, der die landschaftliche und kulturelle Vielfalt der Insel Als auf eindrucksvolle Weise erlebbar macht. Mal führt der Pfad durch sanftes Hügelland, mal entlang blühender Rapsfelder oder direkt an der Küste – stets begleitet vom Klang der Ostsee und der Weite des Himmels.
Besonders schön ist der Abschnitt rund um den Leuchtturm Taksensand, der einsam am Ufer steht und als Fotomotiv fast schon ein Klassiker ist. Wer aufmerksam ist, kann unterwegs mit etwas Glück sogar Seeadler kreisen sehen.
An warmen Tagen laden die Strände in Fynshav, Mommark und Drejby zu einem erfrischenden Bad ein. Und wer sich für Geschichte interessiert, sollte den Abschnitt bei Blomeskobbel nicht auslassen: Hier liegt inmitten unberührter Natur die größte Ansammlung von bronzezeitlichen Hügelgräbern in der Region.
Tipp: Wer nur eine Teilstrecke laufen möchte, kann sich bequem per Gepäck- oder Personentransfer zurückbringen lassen. Infos gibt’s unter booksonderjylland.dk.
- Parkplatz-Tipp: 54.993424, 9.982634
- Weitere Infos: www.visitsonderjylland.de
- Schwierigkeitsgrad: je nach Etappe leicht bis mittel

Den Kompass auf Norden
Fast berauscht von so viel Glückseligkeit richten wir unseren Kompass am Folgetag wieder auf Norden. Wir folgen den kleinen Nebenstraßen entlang der Küste und erreichen so schon bald Aabenraa, eine beeindruckende Hafenstadt an der gleichnamigen Förde.

Noch bis vor Kurzem gab es immer wieder Debatten über die korrekte Schreibweise des Städtenamens. Das Å als letzter Buchstabe des dänischen Alphabets stellte dabei eine besondere Herausforderung dar, denn so ließ sich die Stadt nicht prominent präsentieren.

Im Jahr 1990 entschied man sich daher in der Stadt, basierend auf einem Ministerialerlass von 1984, für die Schreibweise Aabenraa, die auch im digitalen Zeitalter und international besser zu verwenden ist. Dennoch sind auch weiterhin die Schreibweisen Apenrade oder Åbenrå möglich …

Ein Streifzug durch die historischen Gassen mit ihren bunten Häusern und dem uralten Kopfsteinpflaster ist hier ein Muss, ebenso wie eine Shopping-Tour durch die charmante Fußgängerzone, die nicht nur mit dem urgemütlichen Café Agnes zum Verweilen einlädt.
Auch der beinah legendäre Platten- und HiFi-Laden Music Dude zieht inzwischen nicht nur Musikfans aus Süddänemark an. Und natürlich musste auch Sirko den Inhaber durch diverse Einkäufe “unterstützen” und daraufhin einige Kilos Vinyl aus den 80er Jahren durch die Fußgängerzone schleppen …

Die hügelige Landschaft rund um die Stadt lässt sich wunderbar auf einer Wanderung entlang des ausgeschilderten “Knapstien” erkunden, der sich durch die umliegenden Wälder und an versteckten Picknickplätzen am Meer entlang schlängelt. Für eine Pause bietet sich das romantisch gelegene Restaurant “Knapp” an.

Alternativ könnte man einen Stadtbesuch perfekt mit einem Strandspaziergang ausklingen lassen, vielleicht sogar mit einer Einkehr im beliebten Restaurant “Under Sejlet”.
Baumhaus oder Stellplatz: Genner Hoel Camping
Für eine nahezu perfekte Kombination aus kulinarischen Genüssen, aufregenden Aktivitäten und spektakulären Übernachtungen empfiehlt sich ein Aufenthalt auf dem Campingplatz Genner Hoel Pandekagehus.

Hier gibt es nicht nur den benachbarten Kletterpark HighPark Sonderjylland, sondern auch die Möglichkeit, in einem einzigartigen Baumhaus hoch in den Baumkronen zu übernachten und sich mit unglaublich leckeren Pfannkuchen zu verwöhnen.

Wir entschieden uns für Füllungen mit Rindfleisch bzw. Lachs und bedauerten nur, dass wir die anderen Köstlichkeiten nicht auch probieren konnten.

Reif für die Insel
Am nächsten Morgen folgen wir weiter unserer Route entlang der süddänischen Ostseeküste. Nach einem Abstecher auf die Halbinsel Kalvø suchen wir uns an diesem herrlichen Sommertag erst einmal einen Campingplatz. Unsere Wahl fällt auf Gammelbro Camping, ebenfalls direkt an der Ostseeküste gelegen und trotz seiner Größe sehr ruhig und weitläufig.

Gegenüber von unserem Stellplatz ist die Insel Aarø auszumachen, das Ziel unseres nächsten Tagesausfluges. Lediglich knapp 150 Einwohner leben auf der beschaulichen Insel Aarø, die 750 Meter vor der Küstenlinie im Kleinen Belt liegt. Eine Distanz, die mehrmals täglich auf einer kurzen Passage von der Pendelfähre überwunden wird, die aber dennoch ausreicht, dass die Insulaner ihren Traum fern vom Alltag auf dem Festland leben können.

Schon beim Verlassen des kleinen Hafens taucht man in eine schwer zu beschreibende Ruhe ein, wie sie auf vielen Inseln zu finden ist: Alles wirkt etwas kleiner, leiser und entspannter – eine wahre Oase des Friedens.
Wir mieten uns im Café am Fähranleger ein Golfcar, um die autofreie Insel in ihrem gemächlichen Tempo zu erkunden. So erreichen wir den Leuchtturm, die endlosen Sandstrände, die 2016 eröffnete Brauerei von Ole Dam sowie das Weingut Årø Vinegård.

Dabei ist es nicht nur ein Hochgenuss, das liebevoll handwerklich gebraute Bier und den feinaromatischen Rosé- oder Weisswein zu verkosten. Es ist darüber hinaus extrem spannend, zu erfahren, wie einige Menschen, zumeist Aussteiger aus größeren Städten, mit viel Idealismus, Kreativität und einer gehörigen Portion Mut diese zunächst scheinbar abwegigen Projekte zwischenzeitlich zum Erfolg geführt haben.
In unserem Beitrag “Aarø erleben” stellen wir die Insel ausführlich vor – inklusive vieler Tipps für euren Ausflug.
Von diesem Spirit lebt die Insel und ist sie auf besondere Weise geprägt, sodass wir irgendwann auf der Rückfahrt Aarø mit einem eigenartig sentimentalen Gefühl in der Ferne immer kleiner werden sehen.

Doch bereits am darauffolgenden Tag können wir die Insel vom Årøsund Wanderweg erneut in der Ferne ausmachen. Die gut markierte Wanderroute führt durch die typisch dänische Sommerlandschaft und vorbei an verlockenden Badestellen am Ostseestrand. Ganz offensichtlich können die Dänen nicht nur Hotdogs zubereiten, sondern auch echt geniale Küstenwanderwege anlegen …

Diese kleine, aber feine Rundwanderung beginnt direkt im malerischen Hafen von Årøsund und eignet sich perfekt für einen entspannten Ausflug – auch mit Kindern. Die Strecke ist etwa 5,5 Kilometer lang, gut ausgeschildert und durchweg leicht begehbar.
Los geht’s am Strand, von wo aus man nordwärts in Richtung einer kleinen Brücke wandert, die in ein idyllisches Küstenmoorgebiet führt. Weiter geht’s über grüne Wiesen, wo Kühe und Schafe gemütlich weiden – ein herrlicher Kontrast zum glitzernden Wasser des Kleinen Belts, das immer wieder zwischen den Bäumen und Büschen aufblitzt.
Auf dem Rückweg erreicht man erneut die Küste und läuft ein Stück direkt am Strand entlang. Hier laden mehrere Rastplätze zum Verweilen ein – oder gleich zum Sprung ins Wasser …
- Parkplatz direkt am Hafen: 55.261075, 9.712151
- Weitere Infos: www.visitsonderjylland.de
- Schwierigkeitsgrad: leicht
Haderslev – gotischer Dom und kulinarische Entdeckungen
Nach den ruhigen Tagen auf Aarø wirkt Haderslev regelrecht lebendig, fast pulsierend – aber in jedem Fall charmant und mit einem Hauch von Geschichte. Der imposante, gotische Dom aus dem 13. Jahrhundert, einer der ältesten Dänemarks, ragt über die Dächer der Stadt hinaus und prägt das Stadtbild genauso wie die langgestreckte Förde und der idyllische Haderslev Dam, der sich wie ein glitzerndes Band durch das Zentrum zieht.
Wer mag, kann die Stadt im Sommer sogar an Bord des kleinen Touristenboots vom Wasser aus entdecken. Eine gemächliche Fahrt mit Blick auf alte Speicher, Parkanlagen und Kirchen.

Entlang der gepflegten Fußgängerzone reihen sich kleine Cafés, Weinbars und Restaurants, die ein vielfältiges Angebot bieten – von klassisch-dänisch bis modern-international. Besonders gefallen hat uns das “Cafe HOX”, wo wir hausgemachtes Smørrebrød in urbaner Atmosphäre genießen konnten. Ein paar Schritte weiter bietet das “Tappo” mediterrane Leichtigkeit mit nordischem Touch: feine Antipasti, Pasta, ausgesuchte Weine und dazu ein stilvolles Ambiente.

Ein guter Grund (mehr) für einen Abstecher in die Stadt, vor deren Toren sich mit der Tørning Mølle ein weiteres Highlight versteckt. Die historische Wassermühle, deren Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht, liegt eingebettet in eine herrliche Kulturlandschaft mit alten Bäumen, Wanderwegen und einem kleinen Museum.
Wer mag, kann hier nicht nur Natur genießen, sondern auch ein Stück dänischer Alltagsgeschichte entdecken – und mit etwas Glück einen Blick auf die alte Mühlentechnik werfen, wenn die Tür offensteht.

Süddänemark: Von Küste zu Küste
55° 15′ Nördlicher Breite: Haderslev ist unser nördlichster Punkt auf dieser Reise, aber westlich von uns lockt bereits die Nordseeküste mit der Insel Rømø, einem echten Sehnsuchtsort im Nationalpark Wattenmeer. Nur 60 Kilometer trennen uns von dem Damm zur Insel, doch unterwegs machen wir einen ungeplanten Zwischenstopp.

Eigentlich wollten wir nur im Hofladen von Schloss Gram Slot lokale Lebensmittel einkaufen, als uns ein Hinweis auf den kleinen Campingplatz “Hygge Lake” in Versuchung führt. Sauna am See, Ruhe inmitten der Natur und Paddeln – das klingt einfach zu verlockend.
Kurzentschlossen biegen wir ab und treffen dort auf Nadine, die vor geraumer Zeit dem “lauten” Hamburg den Rücken gekehrt hat, um sich und ihren Gästen hier eine kleine Oase der Gemütlichkeit zu schaffen, eben einen “hygge” Lake. “Noch ein Saunagang am Abend …?” Natürlich, und so verbringen wir den Abend in der Panoramasauna, kühlen uns im See ab und entspannen am Steg.





Am nächsten Tag setzen wir nach einer Paddeltour auf dem kleinen See unsere Reise fort. Der Nordsee-Damm auf die Insel Rømø ist nur gut dreißig Fahrminuten entfernt und so öffnet sich schon mal der weite Blick über das Wattenmeer bis zum Horizont. Grüne Wiesen, schwarzer Schlick, blauer Himmel und dazu diese herrliche Salzluft. Mehr Meer geht nicht …
Rømø – Salz, Sand und Sonne
Der Campingplatz First Camp Lakolk wird unser “Basislager” für die Erkundungen auf der beliebten Nordseeinsel sein. Eine Oase aus Sand, Dünen, Dünenrosen, roten Häuschen und einem entspannten Lebensgefühl mitten im Nationalpark Wattenmeer. Ein Kleinod, von Stürmen gepeitscht und den Gezeiten geprägt.

Spätestens, wenn die glutrote Sonne am Horizont im Meer zu versinken scheint, erliegt man dem unverwechselbaren Reiz dieser ganz eigenen Welt – fast wie in Kalifornien, doch mitten in Süddänemark. Hier kann man Drachen steigen lassen, in der Nordsee baden, Sonne tanken, Strandtouren mit dem Blokart oder Fahrrad unternehmen, Kite surfen und Beach Buggy fahren. Den Möglichkeiten scheinen keine Grenzen gesetzt.

So genießen wir einen herrlichen Strandtag an den beiden größten Stränden auf Rømø, auf dem Lakolkstrand und dem Sønderstrand – beide ganz bequem sowohl mit dem Auto als auch mit dem Fahrrad erreichbar.
In unserem Beitrag “Rømø mit dem Wohnmobil” stellen wir die Insel ausführlich vor – inklusive vieler Tipps für euren Ausflug.
Für einen Tagesausflug bietet sich überdies der neu errichtete Marsk Tower auf dem Festland an. Der 25 Meter hohe Aussichtsturm ist ein architektonisches Highlight. Wie eine übergroße Schraube windet sich der Marsk Tower in den Himmel, und von seiner Plattform reicht der Blick bis zu den Inseln Sylt und Rømø und weit über das Wattenmeer.

Das gemütliche Restaurant unterhalb des Turmes bietet sich für eine Mittagspause oder ein gemütliches Abendessen an, bevor man entweder nach Rømø zurückkehrt oder den Ausflug in das süddänische Städtchen Tønder fortsetzt.

Königliches Flair und ganz viel Hygge
Tønder, nahe der deutsch-dänischen Grenze gelegen, überrascht uns mit einer charmanten Fußgängerzone, gesäumt von gepflegten alten Häusern, Kopfsteinpflaster, Fachwerk und einem Hauch königlicher Geschichte. Inmitten nordischer Gelassenheit und dem verträumten Flair lässt es sich herrlich bummeln.
Ein echtes Highlight ist der Besuch im Kult-Laden “Det Gamle Apotek”, einem alten Apothekengebäude mitten am Markt. Der liebevoll gestaltete Laden mit skandinavischem Design, Dekoideen, saisonalem Krimskrams und jeder Menge Geschenkideen entpuppt sich als riesige “Gefahr” für unsere Kreditkarte. Wir verlieren uns förmlich auf den drei Etagen voll hyggeliger Versuchung, vom Gartenaccessoire bis zur Weihnachtswelt.





Nur wenige Fahrminuten vor Tønder liegt Schackenborg Slot, der einstige Wohnsitz von Prinz Joachim. Das barocke Schloss fügt sich stimmig ins Ortsbild von Møgeltønder ein. Ein weiteres pittoreskes Dorf in Süddänemark, das mit seinen schnurgeraden, kopfsteingepflasterten Gassen fast wie aus dem Bilderbuch wirkt.
Unweit vom Schloss finden wir ein uriges Café mit hausgemachtem Kuchen und frisch gerösteten Kaffee. Gleich daneben lädt einer dieser typisch dänischen Trödelläden zum Stöbern ein, während es in den benachbarten Scheunen und Boutiquen dänisches Kunsthandwerk und allerlei Krimskrams gibt.






Wir schlendern durch den Schlosspark, lassen den Blick über die großzügige Anlage schweifen und genießen diesen Ort zwischen royaler Würde und dänischem Dorfleben, zwischen Flaggenmast und Gartenzwerg. Hygge – ein Lebensgefühl als Dorf gebaut.
Radtour nach Sylt
„Ich will zurück nach Westerland,“ sangen die Ärzte in den 80ern, und tatsächlich liegt Sylt, die Lieblingsinsel vieler Deutscher, südlich von Rømø zum Greifen nah. Im Prinzip ist Sylt von Rømø aus einfacher als vom deutschen Festland aus zu erreichen. Also brechen wir im Morgenlicht auf, radeln vom Campingplatz First Camp Lakolk nach Havneby und setzen mit der Fähre nach Sylt über.
Nach etwa 40 Minuten erreichen wir List und starten unsere Radtour auf einem gut ausgebauten Wegenetz. Zwischen Dünen, Stränden, Luxusanwesen und Leuchttürmen – gestärkt mit Fischbrötchen – erkunden wir Kampen, Westerland, den Langen Christian, das Rote Kliff und den “Ellenbogen” oberhalb von List. Eine geniale Tour – auch wenn am Ende des Tages, zurück auf Rømø, rund 80 Kilometer auf dem Tacho stehen.






Den nächsten Tag gehen wir deshalb entspannter an und lassen uns “nur” auf Rømø verwöhnen: In der Marsk Destillerie probieren wir die unvergleichlichen Kompositionen von Hans Sjursen – Gins, Whiskys und Aquavits, die das Flair der Insel und den salzigen Geruch der Luft perfekt einfangen. Besonders angetan sind wir vom Gin mit zarten Aromen junger Dünenrosen und Fichtentriebe sowie vom Aquavit mit Dill und Seespargel.
Im gegenüberliegenden Café Hattesgaard genießen wir danach aromatischen Kaffee und leckere Kuchen inmitten von Antiquitäten, während wir uns über die kuriose Polizeistation amüsieren. Tatsächlich hat bis heute der Inselpolizist direkt hier – quasi mitten im Café – sein Revier. Ein anschließender Besuch im Inselmuseum Kommandørgården rundet unseren Inseltrip und unsere zweiwöchige Tour durch den Süden Dänemarks schlussendlich ab.






Am Ziel eines abwechslungsreichen Trips
Wer etwas mehr Zeit hat, sollte von hier aus der dänischen Nordseeküste in nördlicher Richtung folgen. Die Sehenswürdigkeiten liegen hier, einer Perlenkette gleich, dicht beieinander – von den lebendigen Erholungsorten wie Hvide Sande, bis hin zu nahezu abgeschiedenen Stränden wie dem Kandestederne Strand.
“Nur” Dänemark? Schon auf der Weiterfahrt sind wir immer noch fasziniert von der beeindruckenden Vielfalt dieses oft unterschätzten Landes. Skandinavien beginnt eben nicht erst nördlich des Polarkreises, sondern direkt hinter der dänischen Grenze. Wer also “nur nach Dänemark” fährt, könnte am Ende viel mehr erleben, als er erwartet – und zudem eine Ruhe finden, die sehr kostbar geworden ist …

Süddänemark mit dem Wohnmobil: Die Reise im Überblick
















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