“Kleine Bärenrunde” – schon die Bezeichnung der beliebten Rundwanderung klingt nach Abenteuer, Wildnis und unbändiger Natur im Norden Finnlands. Tatsächlich zählt die “Pieni Karhunkierros” – so der finnische Originalname – im Oulanka-Nationalpark zu den spektakulärsten Trekking-Routen Skandinaviens. Kein Wunder, denn in der absoluten Stille von Finnisch Lappland erwarten euch rauschende Flüsse, tosende Wasserfälle, dichte Wälder und eine nahezu unberührte Natur.
Wer sich auf die “Kleine Bärenrunde einlässt, wandert übrigens auf den Spuren einer ganz Großen: Denn die “Pieni Karhunkierros” ist gewissermaßen die kleine Schwester der legendären “Bärenrunde” (“Karhunkierros” finn.) – jener 82 Kilometer langen Mehrtageswanderung durch den wilden Osten Lapplands, die seit Jahrzehnten Abenteurer aus aller Welt anzieht.

Statt jedoch tagelang mit Zelt und Schlafsack unterwegs zu sein, komprimiert die “Kleine Bärenrunde” die landschaftliche Vielfalt und Magie der Region auf knapp zwölf Kilometer. Wer hier unterwegs ist, erlebt in konzentrierter Form all das, was den Reiz der großen Route ausmacht – schaukelnde Hängebrücken, verwunschene Wälder, dramatische Stromschnellen und die endlose Weite der finnischen Wildnis.
Begleitet uns auf dieser einzigartigen Wanderung im Herzen Finnisch-Lapplands. Wir zeigen euch, warum die kleine Bärenrunde ein echtes Naturerlebnis bietet …
Kleine Bärenrunde: Lage und Anreise
Die Pieni Karhunkierros (“Kleine Bärenrunde”) liegt mitten im atemberaubenden Nationalpark Oulanka, nahe der Ortschaft Juuma in der Region Kuusamo, im Nordosten Finnlands. Der Nationalpark erstreckt sich entlang der Grenze zu Russland und ist mit seinen tief eingeschnittenen Flusstälern, arktischen Mooren und uralten Kiefernwäldern eines der bekanntesten Wildnisgebiete des Landes.

Über 290 Kilometer markierter Wanderwege durchziehen das über 270 Quadratkilometer große Schutzgebiet. Die “Kleine Bärenrunde” gehört dabei neben den Kiutaköngäs-Stromschnellen (Titelbild) zu den absoluten Highlights.
Durch die zentrale Lage des Oulanka Nationalparks lässt sich die Wanderung ideal mit einer Tour zum oder vom Nordkap kombinieren. Viele Reisende nutzen diesen landschaftlich wunderschönen Abstecher, um auf ihrem Roadtrip in den Norden oder auf der Rückreise noch einmal echtes finnisches Lappland-Flair zu erleben.
Das Dorf Juuma ist gut ausgeschildert und bequem von der beliebten Nord-Süd-Verbindung, der Europastraße E63 (Finnische Nationalstraße 5), zu erreichen. Von Kuusamo aus fährt man rund 50 Minuten in nördlicher Richtung, um den kostenlosen Wanderparkplatz direkt am Ausgangspunkt der “Kleinen Bärenrunde” zu erreichen.

Kein Wunder also, dass die “Kleine Bärenrunde” sich längst zu einer der beliebtesten und meist besuchten Tageswanderungen Finnlands entwickelt hat. An sonnigen Wochenenden und während der Ferienzeiten kann es hier deshalb durchaus richtig voll werden.
Highlights der Wanderung “Kleine Bärenrunde”
Start am Wanderparkplatz Juuma
Der Rundweg beginnt direkt am Wanderparkplatz in Juuma, wo es auch Toiletten und je nach Saison einen kleinen Kiosk mit Snacks und Souvenirs gibt. Trotz der frühen Stunde ist der Parkplatz bereits gut gefüllt, einige Gruppen brechen gerade auf.
Wir füllen noch rasch unsere Trinkflaschen am Wasserhahn, schultern die Rucksäcke und werfen einen Blick auf die Infotafel am Einstieg. Schon hier weht uns der Duft von Birken und Kiefern entgegen – ein erster Vorgeschmack auf die Naturerlebnisse, die uns erwarten.

Abschnitt 1: Juuma – Myllykoski (ca. 1,5 Km)
Gleich hinter dem Parkplatz passieren wir das markante rote Eingangstor mit der Aufschrift “Karhunkierros”. Ein symbolischer Schritt hinein ins Abenteuer. Wir folgen fortan der grünen Markierung, die den Rundweg der “Kleinen Bärenrunde” kenntlich macht. Die teils parallel laufende Etappe der “richtigen” Bärenrunde ist hingegen mit orangener Farbe markiert.

Der schmale Pfad führt direkt in den Wald, wo Birken und Kiefern das Licht filtern und der Kitkajoki leise neben uns plätschert. Schon bald erreichen wir die erste Hängebrücke dieser Wanderung. Auf der soliden Konstruktion aus Holz und Stahlseilen überqueren wir den Lauf des Kitkajoki.

Anschließend schlängelt sich der gut erkennbare Weg durch ein weiteres Waldstück, bis wir nach rund einem Kilometer immer deutlicher das Tosen und Rauschen des Wassers vernehmen. Es sind die Stromschnellen an der alten Wassermühle Myllykoski, die sich malerisch ans Flussufer schmiegt.
Das Wasser stürzt hier durch enge Felsrinnen, während sich hoch darüber eine schmale Hängebrücke über die Schlucht zieht. Hier gabelt sich der Weg und man hat nunmehr die Wahl, ob man fortan der “Kleinen Bärenrunde” im oder gegen den Uhrzeigersinn folgen möchte. Wir folgen der weiteren Strecke entgegen dem Uhrzeigersinn, bis sich hier, an der Mühle der Kreis wieder schließt.

Neben der Mühle liegt eine offene Schutzhütte (Kota), ideal für eine erste kleine Rast und Fotosession. Das historische Holzgebäude, der wilde Wasserlauf und die dramatische Kulisse gehören zu den am häufigsten fotografierten Szenen entlang der kleinen Bärenrunde.

Abschnitt 2: Myllykoski – Jyrävä – Aallokkokoski (ca. 3 Km)
Über knorrige Wurzeln, schmale Holzbohlen und kleine Brücken schlängelt sich der Pfad weiter durch urwüchsigen, fast verwunschen wirkenden Mischwald. Dabei bleibt der rauschende Kitkajoki unser ständiger Begleiter – mal tosend, mal leise gurgelnd, aber immer präsent.
Schon nach kurzer Zeit erreichen wir den Wasserfall Jyrävä. Mit seinen rund neun Metern Fallhöhe ist er zwar nicht besonders hoch, doch die Szenerie ist eindrucksvoll: Eingezwängt in eine enge Felsrinne stürzt das Wasser mit ungeheurer Kraft in die Tiefe.

Gischt steigt auf, das Donnern des Flusses übertönt jedes Wort – ein kraftvolles Naturschauspiel, das man von einer kleinen Aussichtsplattform besonders intensiv erlebt.
Kurz darauf erreichen wir den Wasserfall Aallokkokoski, der weniger bekannt, aber nicht weniger stimmungsvoll ist. Der Fluss wirkt hier ursprünglicher, fast verträumt, als würde er eine Pause einlegen und zum Verweilen einladen.

Abschnitt 3: Am Kitkajoki entlang – Laavu & Feuerstelle (ca. 2,5 km)
Nun folgt ein etwas ruhigerer Abschnitt, der uns flussabwärts durch einen dichten Wald führt. Bald erreichen wir eine weitere Hängebrücke, die sich über den Kitkajoki spannt. Sie ist nicht ganz so hoch wie die erste, bietet aber ein wunderschönes Fotomotiv mit weitem Blick über den breiten Flusslauf.

Als wir kurz darauf den nächsten Rastplatz erreichen, erwartet uns eine Überraschung: Im Schatten des Unterstands steht tatsächlich ein Rentier – als machte es ebenfalls Rast oder vielleicht hat es nur auf uns gewartet? Es blickt uns gelassen entgegen, dann trottet es gemächlich davon und verschwindet lautlos zwischen den Bäumen.
Erst jetzt setzen wir unsere Rucksäcke ab und lassen uns nieder. Übrigens ist auf diesem Abschnitt die Wahrscheinlichkeit, Rentiere zu beobachten sehr hoch.

Dieser Rastplatz gehört zu den offiziellen Pausenstationen entlang der “Kleinen Bärenrunde” und ist bestens ausgestattet: Feuerstelle, trockenes Holz, eine Axt von Fiskars. Sogar Grill-Besteck liegt bereit. Einfach genial. Die Finnen wissen eben, wie man Zeit in der Natur richtig genießt.

Abschnitt 4: Anstieg & Rückweg über die Höhen (ca. 4 km)
Nach dieser entspannten Rast starten wir auf unsere letzte Etappe. Der vom Flussufer wegführende und stetig ansteigende Pfad führt uns stellenweise über steiniges Terrain. Immer wieder blitzt das Wasser des Kitkajoki tief unter uns durch die Bäume.

Der Wald wirkt hier offener, trockener – Moose und Heidelbeerstrücher säumen den Weg, die Kiefern stehen weit auseinander und sind vom Wind gezeichnet.

Der schmale Pfad schlängelt sich in sanften Wellen über den Hang, immer wieder eröffnen sich kleine Ausblicke ins Tal. Es ist stiller geworden – als hätte die Natur einen Gang zurückgeschaltet, vielleicht um diese Wanderung ruhig ausklingen zu lassen.
Über gut ausgebaute Stufen und rutschfeste Bohlen führt ein steiler Abstieg nach Juuma und bringt uns sicher zurück zum Ausgangspunkt dieser eindrucksvollen Rundtour.

Fazit zur Wanderung
Die “Kleine Bärenrunde” ist zu Recht eine der beliebtesten Tageswanderungen Finnlands und ein echtes Naturerlebnis. Sie ist abwechslungsreich, wildromantisch, stellenweise abenteuerlich, aber nie wirklich gefährlich.
Ideal für alle, die einen ersten Eindruck von der legendären “Karhunkierros” (“Bärenrunde”)bekommen möchten, oder einfach einen unvergesslichen Tag in Lapplands Wildnis suchen. Wer die Runde gegangen ist, weiß am Ziel, warum so Viele von ihr schwärmen.
Info: Das finnische Jedermannsrecht
Das finnische Jedermannsrecht (“Jokamiehenoikeudet”) ist ein altes Gewohnheitsrecht, das allen Menschen erlaubt, sich frei in der Natur zu bewegen. Wandern, Beeren oder Pilze sammeln, paddeln oder sogar zelten ist grundsätzlich erlaubt, solange man respektvoll mit Natur und Mitmenschen umgeht.
Im Oulanka Nationalpark gelten allerdings besondere Einschränkungen: Das Zelten ist nur an ausgewiesenen Plätzen mit dem Schild “Leiriytyminen sallittu” erlaubt. Offenes Feuer darf ausschließlich an offiziellen Feuerstellen (“Tulentekopaikka”) entfacht werden.

Nicht erlaubt ist nach dem Jedermannsrecht das:
- Feuer machen auf Privatgrundstücken oder bei erhöhter Waldbrandgefahr.
- Zelten auf Privatgrundstücken, in Schutzgebieten mit Campingverbot oder abseits ausgewiesener Zeltplätze in Nationalparks.
- Betreten oder Durchqueren von Privatgärten, Höfen oder eingezäunten Weideflächen.
- Fällen oder Beschädigen lebender Bäume, Sträucher oder Pflanzen.
- mutwillige Stören oder Vertreiben von Wildtieren.
- Zurücklassen von Müll oder Abfällen.
- Befahren oder Parken in der freien Natur ohne ausdrückliche Erlaubnis.
- Jagen und Angeln ohne gültige Lizenz.
Karte, Fakten und GPX Daten der Wanderung zur “Kleinen Bärenrunde”
- Die “Kleine Bärenrunde” ist die beliebteste Tageswanderung Finnlands, aber kein gemütlicher Spaziergang: Schmale Wurzelpfade, felsige Abschnitte, steile Treppen und mehrere Hängebrücken fordern Trittsicherheit und eine gewisse Grundkondition.
- Für größere Kinder und geländesichere Hunde ist die Runde grundsätzlich machbar, aber die vielen steilen Stufen sowie schmalen Brücken sind nicht zu unterschätzen.
- In Juuma gibt es einfache Unterkünfte, Hütten und den Ala Juuma Campingplatz. Besonders beliebt ist das Basecamp Oulanka direkt am Oulankajoki.
- Die Wanderung lässt sich am besten morgens oder ab dem späten Nachmittag genießen, dann ist weniger los und das Licht in den Schluchten besonders schön. Wer in der Hochsaison unterwegs ist, sollte möglichst früh aufbrechen, der Parkplatz füllt sich schnell.
- Trinkwasser ist am Startpunkt verfügbar. Unterwegs gibt es keine sichere Möglichkeit, Wasser aufzufüllen – daher besser ausreichend mitnehmen.
- Weitere Informationen zum Oulanka Nationalpark.
- Tipp in der Region: Eine nächtliche Fototour zur Bärenbeobachtung in Kuusamo.















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