Norwegen gilt für viele als eines der schönsten Reiseziele Europas – nicht nur wegen seiner Landschaften, sondern auch wegen der Freiheit, die das Reisen mit dem Wohnmobil hier bietet. Gleichzeitig bringt genau diese Freiheit und schier endlose Weite des Landes eine ganz praktische Frage mit sich, die oft erst unterwegs richtig präsent wird: Wie sieht es eigentlich mit der Gasversorgung in Norwegen aus?
Wer im Norden Europas mit dem Wohnmobil unterwegs ist, kennt das Thema nicht nur aus kühlen Sommernächten, sondern erst recht aus dem Frühjahr, Herbst und vor allem vom Wintercamping in Skandinavien. Dann geht es längst nicht mehr nur um ein wenig Komfort, sondern um eine funktionierende Gasversorgung im Wohnmobil. Wer mit Gas heizt, warmes Wasser erzeugt und kocht, merkt gerade bei niedrigen Temperaturen schnell, wie hoch der Verbrauch tatsächlich sein kann. Spätestens dann wird aus einer theoretischen Frage sehr schnell ein ganz praktisches Thema.

Doch gerade in Norwegen ist die Gasversorgung für Wohnmobile überraschend gut organisiert. Nicht flächendeckend und nicht ohne Einschränkungen, aber doch so, dass man deutlich entspannter reisen kann, als zunächst zu vermuten wäre. Ähnlich wie bei den Ver- und Entsorgungsstationen für Grau- und Schwarzwasser zeigt sich auch bei der Gasversorgung ein Netz, das über weite Teile des Landes erstaunlich gut ausgebaut ist.
Von Süden bis weit in den Norden hinein finden sich LPG Stationen, an denen sich mit den passenden Adaptern auch deutsche Flaschen oder fest verbaute Tankanlagen nachfüllen lassen. Nicht überall, nicht grenzenlos und natürlich nicht ohne ein paar Besonderheiten.
Genau deshalb soll es in diesem Beitrag um alle Facetten der Gasversorgung in Norwegen gehen: Wo kann man LPG tanken? Welche Systeme funktionieren problemlos und wo gibt es Einschränkungen?

Gasversorgung in Norwegen: Die wichtigsten Unterschiede
In Norwegen spielt beim Camping vor allem Propan eine Rolle. Butan, wie es in vielen klassischen Campingaz Flaschen verwendet wird, ist für die oft deutlich kühleren Temperaturen im Norden nur eingeschränkt geeignet.
Gerade viele kompakte Camper und Kastenwagen aus dem deutschsprachigen Raum sind jedoch mit den typischen blauen Campingaz Flaschen unterwegs, etwa mit der bekannten R 907. Was in Mitteleuropa oder weiter südlich gut funktioniert, kann in Norwegen schnell zum Problem werden. Denn Campingaz ist in Skandinavien kaum verbreitet, und diese Flaschen lassen sich dort in der Regel weder tauschen noch nachfüllen.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, wo man unterwegs Gas bekommt, sondern auch, mit welchem System man reist. Wir haben unser heutiges Fahrzeug genau aus diesem Grund anders konfiguriert: Statt einer R 907 Campingaz Flasche wie im Vorgängermodell nutzen wir in unserem CS Reisemobil Independent eine passende Aluminium Propangasflasche im Gaskasten.
Für Reisen nach Skandinavien ist das aus unserer Sicht die deutlich sinnvollere Lösung, weil Propan auch bei niedrigen Temperaturen zuverlässig funktioniert, zudem deutlich günstiger ist und sich die norwegische Infrastruktur besser nutzen lässt.

Welche Gassysteme sich in Norwegen bewähren
Grundsätzlich lassen sich die gängigen Lösungen im Wohnmobil grob in drei Varianten einteilen: klassische Tauschflaschen, fest verbaute Tankflaschen und Unterflurtanks. Alle drei funktionieren auch in Norwegen – aber nicht alle sind gleich komfortabel.
Am verbreitetsten sind nach wie vor die bekannten Gasflaschen im Gaskasten. In Deutschland meist aus Stahl, zunehmend aber auch als leichtere Aluminium- oder Composite-Variante. Wer hier aus den bereits genannten Gründen auf Propan setzt, ist grundsätzlich gut aufgestellt. Entscheidend ist dann weniger die Flasche selbst als vielmehr die Frage, wie und wo sie sich unterwegs wieder füllen lässt.
Etwas flexibler sind sogenannte Tankflaschen. Sie sehen auf den ersten Blick aus wie normale Gasflaschen, sind technisch aber anders aufgebaut und ausdrücklich für die Befüllung an LPG-Stationen vorgesehen. Dazu gehört auch ein automatischer Füllstopp, der die Befüllung in der Regel bei 80 Prozent beendet. Gerade auf längeren Reisen oder bei höherem Verbrauch kann das ein großer Vorteil sein, weil man nicht auf bestimmte Tauschsysteme angewiesen ist.
Noch komfortabler sind fest verbaute Unterflurtanks. Sie bieten meist mehr Volumen und werden ebenfalls an LPG-Zapfsäulen befüllt. Der große Pluspunkt liegt hier in der Reichweite und im Bedienkomfort – allerdings auch im höheren Einbauaufwand und den entsprechenden Kosten.

Zum Befüllen aller drei Varianten sind an einigen Station mitunter passende Adapter vorhanden oder können dort ausgeliehen werden – nur sollte man sich nicht darauf verlassen. Ein passendes Adapter-Set gehört deshalb unbedingt ins Fahrzeug. Bewährt haben sich klassische Europa-Sets mit ACME-, Dish-, Bajonett- und Euronozzle-Anschluss – damit ist man an den meisten LPG-Stationen in Norwegen und darüber hinaus problemlos unterwegs.
Doch neben der Möglichkeit, Gas nachzufüllen, gibt es in Norwegen noch eine weitere Option.
Tauschflaschen in Norwegen: Eine praktische Alternative
Eine oft unterschätzte Alternative zur Befüllung eigener Gasflaschen sind die in Norwegen weit verbreiteten Tauschsysteme mit Propangasflaschen, wie sie unter anderem von AGA angeboten werden.

Diese Flaschen – häufig als leichte Composite-Varianten erhältlich – lassen sich an vielen Tankstellen, Supermärkten oder Automaten unkompliziert erwerben und tauschen. Gerade wer länger unterwegs ist oder keine Möglichkeit hat, eigene Flaschen nachzufüllen, findet hier eine erstaunlich praktische Lösung.
Interessant ist außerdem, dass sich diese Systeme häufig auch länderübergreifend nutzen lassen, insbesondere in Schweden und teilweise auch in Finnland. Wer also mehrere skandinavische Länder bereist, kann sich damit ein Stück weit unabhängiger von der eigenen Ausgangsausstattung machen.
- Tauschautomaten Netz von Vendanor
- Tankstellennetz von Circle K zum Erwerb oder Tausch von Gasflaschen
- Norwegisches Netz von Gass Automat
- Überblick über das dichte Netz von AGA Stationen (Linde Gas Norwegen)
Ganz ohne Einschränkungen ist das System allerdings nicht. Die Flaschen müssen zunächst vor Ort erworben oder gemietet werden, und man benötigt einen passenden Anschluss oder Adapter für das eigene Fahrzeug. Sogenannte Europa-Sets decken dabei die gängigen Anschlüsse ab und sorgen dafür, dass man unterwegs deutlich flexibler bleibt.
Gerade auf Reisen durch mehrere Länder kann sich diese Investition schnell auszahlen, da sich damit verschiedene Flaschentypen überhaupt erst sinnvoll nutzen lassen. In vielen Fällen funktioniert damit auch der Anschluss norwegischer Tauschflaschen problemlos.

Für die in Norwegen weit verbreiteten Tauschflaschen sollte man mit einem Einstiegspreis von etwa 1000 bis 1200 NOK rechnen. Bei Rückgabe erhält man in der Regel rund 400 NOK zurück. Der eigentliche Tausch einer leeren gegen eine volle Flasche liegt meist im Bereich von etwa 350 bis 400 NOK für rund 10 kg Propan.
Damit liegt das System preislich über dem reinen LPG-Tanken, punktet dafür aber mit einer sehr einfachen und schnellen Handhabung – ganz ohne technische Anpassungen am Fahrzeug.
Unabhängig davon, ob man sich für eine Tauschlösung oder ein nachfüllbares System entscheidet, bleibt für viele die klassische Frage: Wie funktioniert das Tanken an LPG-Stationen in Norwegen eigentlich konkret?
LPG tanken in Norwegen: So funktioniert es
Grundsätzlich funktioniert LPG tanken in Norwegen ähnlich wie in vielen anderen europäischen Ländern – allerdings mit ein paar Besonderheiten, die man kennen sollte.
Die meisten LPG-Stationen sind als Selbstbedienungsanlagen ausgelegt. Wer mit einer nachfüllbaren Tankflasche mit 80-Prozent-Füllstopp oder einem fest verbauten Gastank unterwegs ist, kann dort in der Regel selbst tanken, vorausgesetzt, das passende Adapter-Set ist an Bord. Bezahlt wird je nach Station direkt an der Säule oder im Kassenbereich, oft ganz unkompliziert per Kreditkarte.

Bei klassischen Gasflaschen sieht es anders aus. Sie dürfen nicht einfach im Selbstbedienungsmodus befüllt werden. In der Praxis zeigt sich in Norwegen allerdings, dass das Befüllen an vielen Stationen dennoch möglich ist, wenn ein passender Adapter vorhanden ist und das Personal den Vorgang übernimmt. Man ist dann natürlich an die jeweiligen Öffnungszeiten gebunden und sollte sich nicht blind darauf verlassen. Nach unseren Erfahrungen und dem Feedback vieler Leser funktioniert das an erstaunlich vielen Stationen jedoch problemlos.
Trotz der großen Entfernungen ist das Netz an LPG-Stationen in Norwegen insgesamt besser ausgebaut, als man zunächst vermuten würde. Entlang der großen Verkehrsachsen und rund um Städte sowie größere Orte finden sich regelmäßig Möglichkeiten zum Nachfüllen. In abgelegeneren Regionen, vor allem im hohen Norden, werden die Abstände jedoch spürbar größer.
Genau hier hilft ein wenig Planung – oder ein Blick auf unsere folgende Karte:
Übersichtskarte LPG Stationen in Norwegen
Sicherheit und Vorschriften im Umgang mit Gas
Wer mit dem Wohnmobil in Norwegen unterwegs ist, sollte sich mit den grundlegenden Sicherheitsregeln im Umgang mit Gas vertraut machen. Vieles davon ist nicht speziell norwegisch, sondern entspricht allgemeinen Standards – wird im Alltag aber oft erst unterwegs bewusst.
Dazu gehört in erster Linie, dass Gasflaschen im Fahrzeug sicher befestigt, aufrecht gelagert und ausreichend belüftet sein müssen. Auch ein kurzer Blick auf den Zustand von Schläuchen und Reglern lohnt sich vor der Reise.
Im Reisealltag gibt es außerdem einige Situationen, in denen man bewusst mit der Gasversorgung umgehen sollte. Dazu zählen vor allem Fährüberfahrten und längere Tunnelstrecken. In der Regel wird hier empfohlen oder vorgegeben, die Gaszufuhr während der Überfahrt oder Durchfahrt zu schließen. Entsprechende Hinweise finden sich direkt vor Ort und sollten beachtet werden.

Unsere Empfehlung für die Praxis
Wer zum ersten Mal mit dem Wohnmobil nach Norwegen reist, muss sich beim Thema Gas keine unnötigen Sorgen machen. Die Infrastruktur ist insgesamt deutlich besser, als man wahrscheinlich unterstellen würde – man sollte nur wissen, wie man sie sinnvoll nutzt.
Aus unserer Sicht gibt es dabei nicht die eine perfekte Lösung, sondern eher einen Ansatz, der sich bewährt hat: Wer auf Propan setzt und sein System kennt, ist bereits auf einem guten Weg. Systeme, die sich direkt an LPG-Stationen befüllen lassen, bieten dabei die größte Flexibilität – vor allem auf längeren Strecken und bei höherem Verbrauch.
Gleichzeitig lohnt es sich, offen für Alternativen zu bleiben. Die norwegischen Tauschflaschen sind eine unkomplizierte Ergänzung, die man vor Ort nutzen kann, wenn es passt – gerade dann, wenn sich keine passende LPG-Station in der Nähe befindet oder man sich den Aufwand sparen möchte.
Die jeweils passenden Adapter gehören aus unserer Sicht dabei zur Grundausstattung. Oft machen sie im entscheidenden Moment den Unterschied, ob man stressfrei und flexibel reisen kann.
Und wie immer hilft ein wenig Planung. Wer seine Route grob im Blick hat und die nächste Möglichkeit zum Nachfüllen kennt, wird auch in Norwegen entspannt unterwegs sein.














Kommentieren