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Ausgewandert nach Norwegen (I): Interview mit Thommy (Bergen)

Titelbild Auswandern nach Norwegen Interview-Reihe Nordlandblog

Ausgewandert nach Norwegen: Immer mehr Menschen aus dem deutschsprachigen Raum nutzen die europäische Freizügigkeit und wandern nach Norwegen oder in andere nordeuropäische Länder aus. Was sie dazu bewegt hat, wie es ihnen ergangen ist, was sie heute anders machen würden und ob sie ihren Schritt bereuen – all diese Fragen lassen wir uns in dieser Interviewreihe beantworten. So können die Auswanderer ihre Erfahrungen mit euch teilen und dabei helfen, eure Pläne zu verwirklichen.

Im ersten Teil unserer Interviewreihe „Ausgewandert nach Norwegen“ stellen wir euch Thomas vor, der 2013 seine Koffer gepackt hat und nach Norwegen gegangen ist. Ob er dort sein Glück gefunden hat, verrät er uns im nachfolgenden Interview…

Steckbrief unserer Interviewpartner

  • Name: Thomas R.
  • Alter: 45 Jahre
  • Zielland: Region Vestlandet nördlich von Bergen (Norwegen)
  • Aufenthaltsdauer in der Wahlheimat: 6 Jahre in Norwegen bis zur Rückkehr nach Deutschland
  • Beruf oder ausgeübte Tätigkeit: Ein Jahr als Helfer / Mechaniker auf einem Bauernhof und dann in der Zulieferer-Branche der Ölindustrie tätig. Die Firma hieß damals noch Norwegian Weather Protection, wurde dann aber aufgekauft. 
Anreise über Haukeli - Auswandern nach Norwegen
Bei der Anreise 2013 über das Haukeli-Fjell

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  1. Wann hattest du erstmals die Idee oder den Wunsch auszuwandern und wie bist du gerade auf Norwegen als neue Heimat gekommen?

In den 1990er Jahren stieß ich auf einen faszinierenden Bildband über Norwegen, der die atemberaubende Natur und das Leben der Menschen dort zeigte. Ich war regelrecht von dem Land und seinen Bewohnern begeistert und schaute seitdem jede Doku im Fernsehen über Norwegen.

Zunächst hegte ich keinen Gedanken daran, dorthin auszuwandern, aber im Laufe der Zeit entwickelte sich der Wunsch dazu immer stärker. Meine ersten Reisen nach Norwegen bestärkten diese Sehnsucht nur noch mehr, sodass ich begann, die norwegische Sprache zu erlernen. Mit zunehmenden Sprachkenntnissen tauchte ich immer tiefer in die norwegische Kultur ein, konnte vieles besser verstehen und mein Verlangen nach dem Land wuchs immer mehr.

  1. Was war für dich dann letztendlich ausschlaggebend, tatsächlich nach Norwegen auszuwandern?

Es war Ende 2012 oder Anfang 2013, als mir ein norwegischer Freund erzählte, ein Bekannter im norwegischen Vestlandet sucht Helfer auf seinem Bauernhof. Zuvor hatte ich vergeblich versucht, von Deutschland aus eine Anstellung zu finden. Angesichts dieser Chance ergriff ich die Gelegenheit beim Schopf, nahm Kontakt auf und entschied mich dafür.

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Zu oft lassen wir unsere Träume unbeachtet verwehen. Der Wunsch, in einem fremden Land zu leben, ein neues Kapitel zu beginnen und das Wunderbare von Grund auf neu zu erleben, schlummert in uns. Der Traum von der Auswanderung! Aber warum warten? Träume sollten gelebt werden – warum nicht jetzt?

  1. Wie und wie lange hast du dich auf diesen Schritt vorbereitet?

Bevor ich diesen recht spontanen Schritt unternahm, lernte ich drei Semester Norwegisch an der Volkshochschule in Dresden und davor beschäftige ich mich mit dem Selbststudium von Assimil – alles im allem betrug die Vorbereitungszeit etwa 2 Jahre. Erst während meines Aufenthalts auf dem Bauernhof in Norwegen habe ich mich dann wirklich mit den Herausforderungen und Gegebenheiten meiner Auswanderung auseinandergesetzt.

  1. Wie haben deine Familie und Freunde reagiert, als sie von deinen Plänen erfahren haben?

Meine Begeisterung für das Land war meinen Freunden bekannt, und sie haben mich darin unterstützt. Ebenso wie meine Eltern auch – sie haben mich ermutigt.

  1. Was fandest du bei der Umsetzung deines Plans am Schwierigsten?

Das Schwierigste bei der Umsetzung meines Plans war tatsächlich, eine reguläre Arbeit zu finden, als ich im April 2013 in Norwegen ankam. Obwohl ich auf dem Bauernhof mein Auskommen hatte, war ich dort nicht offiziell gemeldet. Die wirtschaftliche Situation in Norwegen war zu dieser Zeit nicht so einfach und so verlief die Jobsuche etwas schleppend.

Porträt Auswanderer Norwegen Thomas Interview
Ich liebe die weitläufige Natur
  1. Hab du dich bereits in Deutschland um einen Job in deiner neuen Wahlheimat bemüht oder hast du erst am Zielort angefangen eine Arbeit zu suchen?

Wie bereits erwähnt, habe ich mich bereits in Deutschland um einen Job in meiner neuen Wahlheimat bemüht, jedoch war dies hoffnungslos. Meine Bewerbungen blieben unbeantwortet und es gestaltete sich schwierig, aus der Ferne eine Anstellung zu finden. Letztendlich stellte sich heraus, dass der beste Rat für Einwanderer darin bestand, persönlich vor Ort nach Arbeit zu suchen. Erst als ich in Norwegen ankam und aktiv vor Ort nach Beschäftigung suchte, konnte ich Fortschritte erzielen und schließlich eine Arbeitsstelle finden. 

  1. Gab es besondere bürokratische Hürden bei der Auswanderung aus Deutschland bzw. bei der Einwanderung nach Norwegen?

Was die Einwanderung betrifft, gab es eigentlich keine besonderen bürokratischen Hürden. Sobald man eine Jobzusage hat, sind die restlichen Schritte meist eine Formalität. Man muss sich polizeilich anmelden, sich beim Finanzamt registrieren und das Wichtigste ist erledigt. Sofern man ohne neuen Job Deutschland verlässt, sollte man erst einmal in Deutschland Krankenversichert bleiben.

  1. Wie verständigst du dich in Norwegen? Kommt man auch gut mit Englisch zurecht?

Ich versuchte mich hauptsächlich auf Norwegisch zu verständigen, wobei ich während meiner Zeit dort noch viel dazugelernt habe. Anfangs half mir auch Englisch sehr gut weiter, da die Norweger Englisch oft fließend sprechen, fast wie ihre Muttersprache. Ältere Menschen verstehen oft Deutsch oder sprechen es sogar. Um sich richtig zu integrieren ist es in jedem Fall von Vorteil, Norwegisch zu kommunizieren.

Kollegen-bei-der-Arbeit
Meine Kollegen in Norwegen bei der Arbei
  1. Gibt es kulturelle Unterschiede zwischen uns Deutschen und den Norwegern? Und wenn ja – war es schwer mit diesen umzugehen?

Deutsche und Norweger sind sich sehr ähnlich was gewisse kulturelle Eigenarten angeht. Jedoch sind Norweger nicht Norweger und Deutsche nicht Deutsche. Generell harmoniert man aber gut zusammen und Deutsche integrieren sich sehr gut, bzw. fällt es uns leicht. Mit der Zeit legt man bestimmte Eigenarten ab und passt sich der norwegischen Kultur an.

Beispielsweise tauschte ich im Laufe der Zeit das hektische deutsche Verhalten gegen die norwegische Gelassenheit. Natürlich gelingt einem nicht in allen Dingen eine vollständige Anpassung, was auch nicht zwingend erforderlich ist. Die Norweger schätzen jedoch die deutsche Präzision und Arbeitsweise, und wenn es einem gelingt, das Beste aus beiden Kulturen zu adaptieren, kommt man gut im Land an.

  1. Hast du sich inzwischen gut eingelebt und fühlt du dich integriert? 

Mittlerweile bin ich ja nach Deutschland zurückkehrt. Ich war sehr gut integriert und hatte mich prima eingelebt. Rückblickend betrachtet landete ich nur im falschen Landesteil.

Segelmacher-Job in Norwegen
Als Segelmacher bei der Arbeit
  1. Sind die Lebensunterhaltungskosten höher oder niedriger als in Deutschland? 

Damals aber auch heute sind die Preise im Schnitt um ein viertel höher als in Deutschland, was das höhere Einkommen aber gut kompensiert. Alkohol und Tabak sind im Vergleich zu Deutschland sehr teuer.

  1. Gab oder gibt es Kosten die dich tatsächlich überrascht haben? 

Die Kosten für einen einfachen Wein liegen ungefähr 300% über dem deutschen Preis. Anfangs hat mich das sehr überrascht. Dafür war der Strom sehr günstig, verglichen zu Deutschland.

  1. Kannst du drei Punkte aufzählen was dir am Leben in Norwegen am meisten gefällt / gefallen hat? 
  • die relative Nähe zur Natur und die daraus resultierende Möglichkeit auch aus dem urbanen Raum heraus schnell im Wald oder Gebirge zu sein.
  • Die Entspanntheit der Menschen dort, welche mit der Zeit auch gut abfärbt.
  • Im Fjell findet man echte Ruhe wenn man sie sucht. Keine Auto- oder Zuggeräusche und kleine plapperten Menschen. Oft ist man ganz allein unterwegs.
Mein Job bei der Segelmacher-Firma, Auswandern nach Norwegen
Mein Job in einer Segelmacher Firma
  1. Was vermisst du aus Deutschland und was überhaupt nicht? 

Ich vermisste das Brot sehr. Die Norweger haben keine gute Brotback-Tradition, zumal man Bäckereien, wie wir sie kennen, wirklich suchen musste.

  1. Hast du deine Auswanderung nach Norwegen irgendwann einmal bereut? 

Nein. Eine klasse Erfahrung die ich gemacht habe. Die Gewissheit, nun immer wieder dahin zurückkehren zu können, wirkt ebenfalls sehr beruhigend. 

  1. Siehst du dich in 10 Jahren immer noch / oder wieder in deiner Wahlheimat? 

Ich könnte mir durchaus vorstellen in 10 Jahren wieder dort zu leben. Obwohl Norwegen natürlich nicht perfekt ist und seine eigenen Herausforderungen hat, hat mich die Zeit dort sehr geprägt und ich fühle mich mit dem Land weiterhin eng verbunden.

  1. Was würdest du Menschen raten, die ebenfalls damit liebäugeln auszuwandern? 

Es tun! Auswandern innerhalb Europas ist einfacher geworden. Der Aufwand ist gering und die Belohnung, zumindest im Fall von Norwegen, ist hoch.

  1. Hand aufs Herz: Würdet du es wieder tun? 

Wie schon erläutert: Auf jeden Fall! 

  1. Im Rückblick: Was würdest du heute anders machen?

Ich würde wohl nicht mehr ins norwegische Vestlandet gehen. Das Wetter dort muss man mögen und aushalten können. Ich wurde dadurch krank. 

Porträt Auswanderer Norwegen
Ausgewandert! Ich habe es wirklich getan…

Wir bedanken uns sehr herzlich für dieses offene Interview und wünschen dir bei deinen weiteren Plänen viel Erfolg.

Die ausführliche Geschichte seiner Auswanderung hat Thomas in seiner dreiteiligen Beitragsreihe „Auswandern nach Norwegen“ geschildert. Weitere hilfreiche Informationen hat das Skandinavien-Magazin NORR in dem Beitrag „Auswandern nach Norwegen – 13 Tipps für einen erfolgreichen Start“ zusammengefasst.

Habt ihr ebenfalls Lust, eure Auswanderer-Geschichte mit unseren Lesern zu teilen…? Dann kontaktiert uns gern per E-Mail – wir melden uns daraufhin bei euch.

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Autor / Autoren:

Conny & Sirko

... schreiben sich hier ihr ewig währendes Fernweh nach dem Norden Europas von der Seele - wenn sie nicht gerade mit ihrem Wohnmobil durch die atemberaubenden Landschaften Nordeuropas reisen, um ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit euch in ihrem Nordlandblog zu teilen. Besucht uns gern im Bereich "ÜBER UNS" :)

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