Wer durch Skandinavien reist, gewöhnt sich schnell daran, wie selbstverständlich hier mit Karte oder Smartphone bezahlt wird. Ob beim Tanken irgendwo in Nordnorwegen, am Parkautomaten in Schweden, im kleinen dänischen Café oder beim Einkauf im dünn besiedelten Norden Finnlands: Bargeld brauchen wir auf unseren Reisen inzwischen nur noch selten. Doch ganz darauf verzichten würden wir dennoch nicht …
Auch wenn das bargeldlose Bezahlen im Norden meistens erstaunlich unkompliziert funktioniert, gibt es immer wieder Situationen, in denen eine zweite Karte oder ein paar Kronen im Portemonnaie ziemlich hilfreich sein können.
Nach vielen Reisen durch Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland hat sich für uns deshalb eine einfache Kombination bewährt: Wir haben immer mindestens zwei voneinander unabhängige Karten dabei und zusätzlich eine kleine Bargeldreserve für unterwegs.
In diesem Beitrag geben wir einen Überblick, wie wir auf unseren Reisen bezahlen, welche Erfahrungen wir mit Kreditkarten und Debitkarten gemacht haben und worauf ihr bei Fremdwährungsgebühren, Tankautomaten, Kautionen und beim Geldabheben achten solltet.

Kreditkarte, Debitkarte oder Prepaidkarte: Wo liegt der Unterschied?
Wer aus Deutschland in den Norden startet, hat meist einen bunten Mix an Karten im Portemonnaie. Auf den ersten Blick sehen sich diese erstaunlich ähnlich, doch der Teufel steckt im Abrechnungsmodell:
- Kreditkarte
Bei einer klassischen Kreditkarte steht euch – wie der Name es schon sagt – ein persönlicher Kreditrahmen zur Verfügung. Zahlungen werden zunächst darüber abgewickelt und je nach Kartenmodell später über das hinterlegte Girokonto ausgeglichen.
Gerade auf Reisen kann das praktisch sein, wenn beispielsweise eine Mietwagenfirma oder ein Hotel eine Kaution auf der Karte blockieren möchte. Deshalb gehört für uns mindestens eine klassische Kreditkarte ins Reisegepäck. - Debitkarte
Bei einer Debitkarte wird der bezahlte Betrag direkt beziehungsweise zeitnah vom verknüpften Girokonto abgebucht. Visa und Mastercard Debitkarten funktionieren im normalen Zahlungsverkehr in Skandinavien in aller Regel problemlos.
Einschränkungen kann es allerdings geben, wenn ein Anbieter für eine Kaution ausdrücklich eine klassische Kreditkarte verlangt. Auch reservierte Beträge, beispielsweise an Tankautomaten, reduzieren unmittelbar das verfügbare Guthaben beziehungsweise den verfügbaren Kontorahmen. - Prepaid-Karte
Eine Prepaidkarte funktioniert nur mit zuvor aufgeladenem Guthaben. Für normale Einkäufe kann das durchaus ausreichen. Schwieriger kann es allerdings bei Kautionen und Vorabautorisierungen werden. Gerade Mietwagenfirmen akzeptieren solche Karten häufig nicht als Sicherheit.
Als zusätzliche Reserve kann eine Prepaidkarte deshalb durchaus sinnvoll sein. Als einzige Karte würden wir uns auf einer Skandinavien Reise allerdings nicht darauf verlassen.

Hausbank Kreditkarten – zuverlässig, aber auf Reisen oft teuer
Viele Reisende nutzen Kreditkarten ihrer Hausbank, die ohnehin das Girokonto führt – beispielsweise von Sparkassen, Volksbanken oder einer anderen Bank. Im Alltag ist das bequem und auch auf Reisen funktionieren diese Karten in der Regel problemlos. Der Haken liegt häufig bei den zusätzlichen Kosten.
So fällt – je nach Bank und Kartenmodell – zunächst eine jährliche Kartengebühr an. Dazu können bei Zahlungen in Norwegischen, Schwedischen oder Dänischen Kronen noch Fremdwährungs- oder Auslandseinsatzentgelte kommen. Auch für Bargeldabhebungen werden teilweise zusätzliche Gebühren berechnet.
Gerade auf einer Skandinavien Reise macht sich das bemerkbar. Denn während man solche Gebühren bei einem gelegentlichen Kartenumsatz kaum wahrnimmt, bezahlt man im Norden vom Kaffee über den Einkauf bis zur Tankfüllung fast alles mit Karte. Aus einem scheinbar kleinen prozentualen Aufschlag können über mehrere Wochen durchaus einige Euro zusammenkommen.
Wir selbst haben lange Zeit unter anderem unsere Sparkassen Kreditkarte genutzt. Erst beim genaueren Blick auf eine Abrechnung wurde uns bewusst, was eine Tankfüllung zusätzlich kostet:
Rechnung Tankstelle in Norwegen
Fazit:
Für diese eine Tankfüllung kamen also 2,05 Euro zusätzliche Bankgebühren zusammen. Das entspricht etwas mehr als zwei Prozent des eigentlichen Umsatzes.
Zwei Euro bringen natürlich niemanden um. Aber wenn sich solche Gebühren über Tankfüllungen, Einkäufe, Restaurants, Campingplätze und andere Ausgaben einer mehrwöchigen Reise wiederholen, stellt sich irgendwann die Frage: Warum dafür bezahlen, wenn es Kreditkarten gibt, die weder eine Jahresgebühr noch zusätzliche Entgelte bei Einsatz im Ausland verlangen?
Warum wir auf Reisen immer zwei Karten dabeihaben
Es geht beim Bezahlen auf Reisen nicht nur um Gebühren. Mindestens genauso wichtig ist für uns die Frage, was passiert, wenn eine Karte plötzlich nicht funktioniert.
Deshalb reisen wir grundsätzlich mit mindestens zwei voneinander unabhängigen Karten von unterschiedlichen Banken. Idealerweise ist eine davon eine Visa und die andere eine Mastercard. Und wir bewahren beide möglichst nicht gemeinsam im selben Portemonnaie oder in derselben Smartphone Hülle auf.
Dass diese Vorsicht nicht ganz unbegründet ist, haben wir unterwegs schon mehrfach erlebt.
Wenn die PIN plötzlich weg ist
Wer im Alltag fast nur noch kontaktlos oder mit Google Pay beziehungsweise Apple Pay bezahlt, braucht seine Karten PIN erstaunlich selten. Irgendwann stellt man dann fest, dass die vier Ziffern nicht mehr ganz so sicher sitzen wie gedacht.
Auch in Skandinavien lässt sich inzwischen an vielen Tankstellen kontaktlos oder direkt mit dem Smartphone bezahlen. Trotzdem würden wir uns unterwegs nicht darauf verlassen, dass das an jedem Terminal und mit jeder Karte funktioniert.

Denn irgendwo an einer unbemannten Tankstelle in Nordnorwegen ist ein ziemlich schlechter Ort, um verschiedene Zahlenkombinationen auszuprobieren. Nach mehreren falschen Eingaben kann die Karte gesperrt werden. Mit einer zweiten Karte seid ihr in solchen Situationen deutlich sicherer unterwegs. Ohne Alternative kann daraus, gerade am Abend und mit fast leerem Tank, schnell ein echtes Problem werden.
Wenn die Bank die Karte blockiert
Auch das ist uns unterwegs schon passiert: Unsere Sparkasse hat eine Kreditkarte vorsorglich gesperrt, nachdem innerhalb kurzer Zeit mehrere ungewöhnliche Auslandsumsätze zusammenkamen.
Fähre, Tankstelle, Supermarkt, Campingplatz – und das alles in fremder Währung. Für die Sicherheitssysteme einer Bank kann so etwas unter Umständen verdächtig aussehen.
Solche Sperren sollen natürlich vor Kartenmissbrauch schützen. Im ungünstigsten Moment können sie aber auch eine völlig legitime Zahlung stoppen. Mit einer zweiten Karte von einer anderen Bank bleibt ihr in so einer Situation handlungsfähig, während ihr die Sperre klärt.
Wenn der Tankautomat 2.000 NOK reserviert
An vielen Automatentankstellen wird vor dem eigentlichen Tankvorgang zunächst ein höherer Betrag (bis zu 2.000 NOK) auf der Karte reserviert, obwohl ihr vielleicht nur für 700 oder 800 NOK tankt.
Abgerechnet wird anschließend nur der Betrag, für den ihr tatsächlich getankt habt. Die vorherige Reservierung wird wieder aufgehoben. Je nach Bank und Karte kann es allerdings etwas dauern, bis der reservierte Betrag wieder vollständig freigegeben ist.

Das Prinzip gilt sowohl für Debitkarten als auch für klassische Kreditkarten. Bei einer Debitkarte reduziert die Reservierung vorübergehend den verfügbaren Betrag beziehungsweise Kartenrahmen, bei einer Kreditkarte entsprechend den noch verfügbaren Kreditrahmen.
Gerade vor einer längeren Reise lohnt sich deshalb ein Blick auf das hinterlegte Kartenlimit beziehungsweise den verfügbaren Kreditrahmen. So wisst ihr im Zweifel, wie viel Spielraum eure Karte für solche Reservierungen überhaupt hat.
Wenn die Debitkarte nicht akzeptiert wird
Visa und Mastercard Debitkarten funktionieren im skandinavischen Reisealltag nach unserer Erfahrung in aller Regel problemlos. Trotzdem haben wir auch schon erlebt, dass eine solche Karte plötzlich nicht akzeptiert wurde.
So wurde beispielsweise unsere N26 Mastercard Debitkarte an einzelnen Tankautomaten in Norwegen mehrfach abgelehnt, während die Zahlung mit einer klassischen Kreditkarte problemlos funktionierte. Woran es im jeweiligen Fall genau lag, konnten wir bislang allerdings nicht nachvollziehen, da N26 Debitkarten an Tankautomaten in der Regel funktionieren (sollten).

Auch bei Mietwagenfirmen, Hotels oder anderen Anbietern kann es vorkommen, dass für eine Kaution ausdrücklich eine klassische Kreditkarte verlangt wird.
Für uns ist das ein weiterer Grund, immer zwei unterschiedliche Karten dabeizuhaben – möglichst von verschiedenen Banken und idealerweise eine Visa und eine Mastercard.
Vier Kreditkarten für Skandinavien im Vergleich
Welche Karte würden wir für eine Reise nach Skandinavien mitnehmen? Genau unter diesem Blickwinkel haben wir uns vier unterschiedliche Karten angesehen und ihre Konditionen für den Reisealltag im Norden miteinander verglichen.
Dabei geht es uns nicht darum, vier Karten pauschal zu empfehlen. Entscheidend ist vielmehr, was ihr bereits nutzt und was euch auf Reisen wichtig ist. Wir schauen deshalb vor allem darauf, ob Zahlungen in Fremdwährungen zusätzliche Kosten verursachen, was beim Geldabheben gilt, wie die Rückzahlung funktioniert und ob für die Karte ein zusätzliches Girokonto benötigt wird.
TF Bank Mastercard Gold

Von uns selbst genutzt
Hanseatic GenialCard

Starke Visa-Alternative
DKB Visa Dedit

Für DKB-Kunden interessant
Norwegian Bank Visa

Finanzfluss-Testsieger 2026
Warum wir trotzdem etwas Bargeld dabeihaben
Auch wenn Skandinavien beim bargeldlosen Bezahlen zu den Vorreitern Europas gehört, würden wir trotzdem nicht ganz ohne Bargeld losfahren. Denn gerade abseits der größeren Orte und touristischen Zentren gibt es immer wieder Situationen, in denen die sonst so praktische digitale Welt für ausländische Reisende plötzlich an ihre Grenzen kommt.
Das betrifft zum Beispiel kleine Stellplätze, Hofläden, Selbstbedienungsstände oder private Mautstraßen. Dort hängt dann manchmal nur ein Hinweis auf die Mobile-Bezahldienste Vipps in Norwegen, Swish in Schweden oder MobilePay in Dänemark.

Für Einheimische sind diese Bezahldienste längst Alltag. Für Reisende aus Deutschland lassen sie sich dagegen nicht ohne Weiteres nutzen, weil dafür je nach Land unter anderem eine lokale Bankverbindung, eine nationale elektronische Identifikation wie BankID oder MitID und weitere Voraussetzungen erforderlich sind.
Steht daneben dann doch noch die gute alte Kasse des Vertrauens, sind ein paar Kronen im Portemonnaie plötzlich ziemlich wertvoll. Für solche Fälle haben wir deshalb immer ein paar Kronen in der jeweiligen Landeswährung dabei. Euro-Scheine sind hingegen keine gute Lösung, denn damit hat am Ende der Betreiber dann den Aufwand und muss das Geld umtauschen.

Interessant ist außerdem, dass Bargeld inzwischen auch politisch wieder stärker in den Fokus rückt. Norwegen und Schweden stärken Bargeld wieder gezielt als Rückfallebene für Krisenfälle, etwa bei Cyberangriffen oder großflächigen Stromausfällen.
Norwegen hat zum Oktober 2024 das Recht der Verbraucher auf Barzahlung gesetzlich gestärkt. In Schweden gilt seit Juli 2026 grundsätzlich eine Pflicht zur Bargeldannahme in Lebensmittelgeschäften und Apotheken mit bedienter Kasse.

Darauf solltet ihr beim Abheben von Bargeld achten
Tauscht euer Geld nicht schon vor der Reise teuer bei der deutschen Hausbank oder in Wechselstuben – beispielsweise auf den Fähren. Nutzt stattdessen nach der Grenze einen Geldautomaten einer größeren Bank (in Norwegen als „Minibank“ beschriftet, in Schweden als „Bankomat“ und in Dänemark als „Pengeautomat“).
Die wichtigste Regel am Geldautomaten und am Kartenterminal lautet: Rechnet immer in der jeweiligen Landeswährung ab – also in NOK, SEK oder DKK. Wird euch eine Abrechnung in Euro angeboten, steckt dahinter meist die sogenannte Dynamic Currency Conversion (DCC). Dabei bestimmt nicht eure Bank den Wechselkurs, sondern der Automaten- oder Terminalbetreiber. Der vermeintliche Komfort ist dabei meist mit einem deutlich schlechteren Wechselkurs oder zusätzlichen Aufschlägen verbunden.
Fazit: Die Mischung macht’s
Nach vielen Reisen durch den Norden hat sich für uns eine ziemlich einfache Lösung bewährt: Den überwiegenden Teil unserer Ausgaben bezahlen wir inzwischen mit Karte oder Smartphone. Dafür haben wir immer zwei unterschiedliche Karten dabei, möglichst von verschiedenen Banken und idealerweise eine Visa und eine Mastercard. Mindestens eine davon sollte aus unserer Sicht eine klassische Kreditkarte sein.
Dazu kommt eine kleine Bargeldreserve in der jeweiligen Landeswährung. Gerade in der Nebensaison waren wir schon öfter froh darüber. Dann ist der Campingplatz vielleicht nur noch zeitweise besetzt, auf der Wiese beim Bauern steht eine Kasse des Vertrauens oder am kleinen Verkaufsstand hängt nur ein Hinweis auf Vipps, Swish oder MobilePay – und daneben vielleicht die Möglichkeit, bar zu bezahlen.
So habt ihr für praktisch jede Situation eine passende Lösung dabei. Ohne unnötige Gebühren und ohne euch unterwegs Gedanken machen zu müssen, ob die nächste Zahlung funktioniert.
Hinweis zur Bildgestaltung: Das Titelbild dieses Beitrags wurde mithilfe generativer KI erstellt, bearbeitet oder rekonstruiert. Es dient der Illustration und ist – sofern nicht ausdrücklich anders angegeben – nicht als unveränderte fotografische Dokumentation eines realen Ereignisses zu verstehen.
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