Nordlandblog

Alles Käse oder was ? Wie wir auf einem norwegischen Bauernhof Käse hergestellt haben

Bild Traktor Bauernhof Derinngarden Norwegen Käse herstellen.

Es ist ein verdammt spannendes Erlebnis, auf einem norwegischen Bauernhof mit der Bäuerin gemeinsam Käse aus der Milch vom eigenen Hof zu produzieren. Noch schöner war es, jeden Tag leckeren Käse aus eigener Produktion zu verkosten… Lest in unserem Blog von den Erlebnissen und Erfahrungen auf dem Bauernhof am Atlanterhavsveien in Norwegen.

Wir sind weiterhin auf dem Bauernhof Derinngarden, in der Nähe von Eide in der Provinz Møre og Romsdal an der norwegischen Atlantikküste. Unsere bisherigen Erlebnisse sowie die Anreise in diese
Region haben wir euch bereits in diesen letzten Blogposts beschrieben:

Teil 1: Kühe, Käse, Milch und der Atlantik – Ferien auf dem Bauernhof 

Teil 2:Die Trollkirche in Eide – Tour in die norwegische Fabelwelt

Teil 3: In der alten Festung Ergan in Bud

Nach ein paar Tagen und vielen Erlebnissen in dieser Idylle unweit des Atlantik überkam uns der Wunsch, einen Tag auch einmal in die Geschehnisse des Bauernhofes einzutauchen und so einen Blick hinter die Kulissen erlangen. Der auf dem Hof hergestellte Käse war für uns täglich ein unbeschreiblicher Hochgenuss – aber wie entsteht er überhaupt ? Othild und Asbjørn wirken auf uns so glücklich und entspannt, obwohl der Hof mit den vielen Milchkühen Ihnen offensichtlich eine Menge abverlangt und beide von früh bis spät beschäftigt sind. Wir wollen definitiv mehr über den Alltag der Beiden erfahren…

Foto vom Haupthaus des Bauernhofes Derinngarden.
Der Hofladen mit der Käserei auf Derinngarden

Beim Frühstück ergriffen wir die Initiative und fragten spontan Othild, ob wir ihr für einen Tag assistieren dürfen. Typisch norwegisch kam die Antwort: “Ja, ich mache heute Käse. Ihr könnt gerne helfen, in einer halben Stunde geht es los….”

Yippie, dachten wir, beendeten rasch unser Frühstück und standen dreißig Minuten später vor der Käserei. Zuerst bekamen wir eine Belehrung, wie wichtig die Hygiene ist. Wir erhielten Fußüberstülper und eine Schutzkappe für die Haare, mussten uns die Hände waschen und desinfizieren – erst dann führt uns Othild in den Arbeitsbereich.

Wow, so professionell hatten wir uns ihren Wirkungsbereich nicht vorgestellt. Voller Stolz erklärt uns Othild die einzelnen Gerätschaften und erzählt uns vom erlebnisreichen Kauf der Ausstattung in der Schweiz. Die Monteure der Firma waren wohl auch beeindruckt und begeistert, als sie erstmalig so weit im Norden eine Anlage installieren konnten.

Ganz früh am Morgen kommt täglich ein Tankwagen von Tine (dem in Norwegen führenden Milchproduzenten) und holt normalerweise die ganze frische Milch, doch wenn Othild Käse herstellen will, so wie heute, behält sie einen Teil davon.

Ein Bild von Othild und Conny beim herstellen von Käse in Norwegen.
Die Masse wird in die Formen gefüllt

Die Milch wird dann in einen großen Bottich gefüllt, natürlich ganz automatisch und ohne Eimer zu schleppen. Auf die Frage, was wir heute eigentlich für einen Käse herstellen, antwortet sie: Snøtind, einen Weißschimmelkäse, den wir vom Frühstücksbuffet kennen – ein absoluter Genuss. Die pasteurisierte Vollmilch wird unter ständigen Rühren auf knapp über dreißig Grad erhitzt, um dann die Schimmelkulturen, Labtropfen und den Säurewecker hinzuzugeben.

Dieses Foto zeigt den Herstellungsprozess von leckeren Käse, in Eigenproduktion auf den Bauernhof Derinngarden.
Man beachte den Blick aus den Fenstern

Danach braucht die so erzeugte Gallerte bei ungefähr dreißig Grad ungefähr eine halbe Stunde Ruhe. Als Nächstes wird dann die Festigkeit dieser Masse geprüft, indem man mit einem langen Messer ein Stück heraushebt: Bleibt es oben liegen, passt die Festigkeit. Nun wird die Gallerte geschnitten, mit einem langen Messer, welches bis zum Boden reicht und in einem Abstand von 2 cm. Das Gleiche muss auch noch horizontal durchgeführt werden, sodass kleine Würfel entstehen. Othild hat dafür ein Spezialgerät, welches wie eine Mischung aus übergroßen Dreizack und einer Harfe aussieht. Nun trennt sich die Molke langsam vom sogenannten Bruch, und man kann die kleinen Würfel zunehmend erkennen.

Ein Foto von Sirko beim wegbringen der übrigen Molke in den Kuhstall.
Sirko bringt die übrige Molke in den Stall

Der nächste Schritt in der Käseherstellung ist das Abfüllen und das Sondieren der Molke. Natürlich funktioniert das bei Othild wieder automatisch. Wir gehen zu einer Art großen Wanne, in der viele Käseformen stehen. Einen Teil der überschüssigen Molke bringt Sirko zurück zu den Kühen. Wir probieren auch mal einen Schluck, denn Molke soll ja bekanntlich sehr gesund sein…. Schmeckt nicht schlecht: Etwas süsslich vielleicht, aber unser Lieblingsgetränk wird es wohl nicht.

Inzwischen werden die Bruchstücke, die weiter oben beschriebenen Würfel, in die Formen gefüllt und anschließend gleich gewendet.

Langsam kann man sich mit etwas Phantasie das Endprodukt vorstellen und wir sind beeindruckt, mit welcher Hingabe und Liebe Othild jeden einzelnen Arbeitsgang ausführt.

Dieses Photo zeigt Conny und Othild auf dem Bauernhof Derinngarden bei einer kleinen Pause.
Pause !! Gleich gibt es Kaffee….

Nun haben wir erstmals Zeit für eine Pause, um ein Käffchen zu trinken und Othild noch ein wenig mit unseren Fragen zu löchern. Sie erzählt uns unter anderem, dass nach dem vierten Wenden ein Abtropfgitter unter den Käse gelegt wird, um das Abtropfen zu ermöglichen. Der Käse muss noch ziemlich oft gewendet werden, bis er am nächsten Tag dann abschließend gesalzen werden kann. Nach etwa einer Woche sollte der Käse letztlich ringsum mit dem Edelschimmel bedeckt sein. Dann muss der Käse schnellstmöglich in Käsepapier eingepackt werden um so ein Austrocknen zu verhindern. Zur weiteren Reifung kommt der fertige Käse in die Kühlkammer, wo er jetzt nur noch gelegentlich gewendet werden muss. Wir dürfen ein Blick in die Kühlkammer werfen und erblicken die vielen verschiedenen Sorten Käse – ein unglaubliches Paradies für jeden Käse Gourmet.

Bild von Sirko ebenfalls bei einer Pause.
Sirko genießt die Zeit fernab vom Schreibtisch.

Als wir erfuhren, dass Othild schon einen renommierten Preis für ihren Käse erhalten hat, auf der Grünen Woche in Berlin ihre Region vertreten durfte und mit ihrem Käse in zahlreichen Supermärkten sowie hochklassigen Restaurants und Hotels vertreten ist, sind wir um so mehr begeistert und einmal mehr beeindruckt.

Morgen, zum Frühstück, werden wir die leckeren Sorten Käse vom Hof mit einem ganz anderen Bewusstsein genießen – jetzt wo wir wissen, wie dieser hergestellt wird.

Eine leckere Pizza zeigt dieses Bild. Im Garden des Bauernhofes in einem Pizzaofen selbst hergestellt.
Leckere selbstgemachte Pizza als Dankeschön….

Othild beeindruckt uns im Tagesverlauf ein weiteres Mal und sehr überraschend, obwohl wir die Mentalität und Freundlichkeit der Norweger bereits oft kennengelernt haben und so lieben: “Weil wir ihr an diesem Tag in ihrer Meierei “geholfen” haben” – so ihre Aussage, werden wir für den nächsten Abend als Dankeschön zum Pizzaessen in den Garten eingeladen – mit der ganzen Familie, Käsebelag aus der eigenen Herstellung und natürlich alles selbstgemacht. Jeder belegt sein Stück Pizza selbst und so wie man es am liebsten mag. Das norwegische Völkchen versteht es zu leben und so wird uns einmal mehr bewusst, warum dieses Land das Glücklichste der Welt ist.

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Ein beeindruckendes Sortiment*

Wenn Ihr euch für die detaillierten Schritte und den genauen Prozess der Käseherstellung interessiert, dann könnt ihr auf der gut gemachten Homepage von Othild diese Punkte gut nachvollziehen und vielleicht demnächst einmal selbst Käse herstellen….

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Leckerer Käse in toller Umgebung*

Falls ihr mal in der Nähe von Molde/ Eide und somit dem Bauernhof Derinngarden seid, macht unbedingt einen Abstecher und probiert den Käse, die Milch, den Joghurt – ihr werdet begeistert sein. Der Hofladen mit vielen Delikatessen, auch von anderen Höfen der Region ist regelmässig geöffnet und falls nicht, dann kann und soll man klingeln….

Richtet auch gern einen lieben Gruß von uns aus….:)

*Bild : © HP derinngarden.no

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Conny und Sirko

Conny und Sirko

„Ja, wir lieben dieses Land…“- so beginnt die norwegische Nationalhymne, und ja, auch wir – Conny & Sirko – lieben dieses Land, die Einwohner, die grandiose Landschaft, den Frieden und die Ruhe, die wir dort und in ganz Skandinavien finden. Wir waren über zwanzig Mal im Norden unterwegs – zu verschiedenen Zeiten, in vielen Regionen und in allen Variationen. Die Idee für diese Homepage kam uns im letzten Jahr, denn so haben wir die Möglichkeit, uns das permanente Fernweh nach dem Norden von der Seele zu schreiben und euch hoffentlich dafür zur begeistern. Also: Kurs auf Norden !

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