Während viele Reisende Lakselv vor allem als Zwischenstopp auf dem Weg zum Nordkap, nach Karasjok oder weiter in Richtung Varanger wahrnehmen, verbirgt sich oberhalb des Ortes eine bislang vor allem lokal bekannte Naturattraktion. Dabei ist der Rappafossen kein einzelner Wasserfall, sondern ein imposanter Wasserlauf aus Kaskaden, bunt schimmernden Felsstufen, klaren Naturpools und kleinen Schluchten, durch die sich das Wasser aus dem Bergsee Ráhponjávri über viele Höhenmeter talwärts seinen Weg zum Porsangerfjord bahnt.

Wer auf der E6 von Lakselv nach Norden fährt, kann den oberen Rappafossen bereits von der Straße aus erkennen. An einer zerklüfteten Felswand, rund 450 Meter oberhalb der Straße, stürzt das Wasser aus dem Gebirge in die Tiefe – scheinbar einer jener vielen namenlosen Wasserfälle, die man in Norwegen oft nur noch beiläufig wahrnimmt. Ein weiteres Puzzleteil in einem ohnehin grandiosen landschaftlichen Panorama.
Doch was aus der Ferne zunächst unscheinbar erscheint, entpuppt sich aus der Nähe als erstaunlich vielfältige Szenerie aus einigen Wasserfällen, die sich über mehrere Kaskaden ergießen und einen spektakulären Canyon in die Felsen geschnitten haben. Ein faszinierender Ort, der zum Entdecken, Fotografieren, Wandern und an sommerlichen Tagen sogar zum Baden einlädt.

Auch die Namen auf der Landkarte erzählen von der kulturellen Vielschichtigkeit Porsangers. Dort ist der Wasserlauf des Rappafossen auch als Ráhponjohka beziehungsweise Raappunoja verzeichnet, während der oberhalb gelegene Bergsee die Namen Ráhponjávri und Raappunjärvi trägt.
Ausgangspunkt der Wanderung zum Rappafossen
Ganz so einfach gibt der Rappafossen seine verborgene Schönheit allerdings nicht preis. Wer diesen Wasserlauf wirklich erleben möchte, muss sich zunächst auf einen steilen und stellenweise herausfordernden Aufstieg einlassen.

Ein eher unscheinbares Wanderschild weist von der Europastraße E6 den Weg zum Parkplatz, der sich in der Tiefebene neben der Straße zwischen einigen flachen Birken beinahe versteckt.

Von dort führt ein gut erkennbarer Pfad in Richtung der Felswand, wo es gleich zur Sache geht. Denn dieser erste, steile Abschnitt verlangt Trittsicherheit und ist stellenweise nur mit leichten Kletterpassagen zu überwinden.

Die Wanderung neben dem Rappafossen
So erreicht man das erste Plateau, wo sich die Landschaft überraschend öffnet. Der Pfad ist nicht markiert, aber gut erkennbar und windet sich weiter über die Felsebene. Wer ihn verlässt und sich links hält, gelangt zu einem kleinen Canyon, in dem das Wasser durch eine schmale Felsspalte herabfällt und sich in einem klaren Naturpool sammelt.



Je nach Licht schimmert das Wasser türkis, grün oder fast gläsern zwischen den glatt geschliffenen Felsen. An warmen Sommertagen, wie es sie selbst hier oben in der Finnmark geben kann, ist dies ganz sicher ein verlockender Platz für eine kurze Abkühlung.

Kraxelt man hier auf die kleine Anhöhe oberhalb des Naturpools, eröffnet sich ein ganz anderer Blick auf den Rappafossen. Im freien Fall stürzt das Wasser über eine Felskante, während die Steine links und rechts davon in einem erstaunlichen Farbspektrum leuchten.

Wer mag, kann die Wanderung nach diesen Eindrücken bereits hier beenden oder zum Weg zurückkehren, um ihm weiter bergauf zu folgen. Zunächst verläuft die Route ein Stück unterhalb der Stromleitung, bevor sie nach links abzweigt und über einen einfacheren Anstieg zum oberen Plateau führt.



Am Ziel: Oberhalb des Rappafossen
Mit jedem Höhenmeter wird die Aussicht über den Porsangerfjord und das Mündungsgebiet der Lakselva beeindruckender. In der Ferne ist Norwegens längste Start und Landebahn auszumachen, während in der unmittelbaren Umgebung alte Bunkeranlagen von der dunklen Epoche der deutschen Besatzung zeugen.

Schließlich erreicht man die obere Abbruchkante des Rappafossen – jenen imposanten Wasserfall, der bereits von der E6 aus an der Felswand zu sehen ist. Wagemutige robben an den schwindelerregenden Abgrund, und die entsprechenden Bilder davon finden sich inzwischen auch in sozialen Netzwerken. Uns erschien das Gestein für derartige Abenteuer allerdings zu fragil, sodass wir es bei einigen Bildern dieser eindrucksvollen Naturkulisse beließen.

Der Abstieg zurück zum Parkplatz folgt dem gleichen Weg und ist in vergleichsweise kurzer Zeit zu bewältigen. Am Ausgangsort angekommen, zeigt ein letzter Blick zurück erneut nur einen eher unscheinbaren, fast schüchternen Wasserfall. Die ganze Magie der Szenerie lässt sich hingegen nur erahnen oder eben auf dieser Wanderung entdecken.

God tur!
Karte, Fakten und GPX Daten der Wanderung zum Rappafossen

- Hier findest du eine Übersicht zu den Einstufungen und Kriterien der Schwierigkeitsgrade in Norwegen.
- Diese Wanderung ist aufgrund der Kletterpassagen nicht für alle Altersklassen und nicht für Menschen mit starker Höhenangst geeignet.
- Wohnmobil-Stellplatz in der Nähe: Parkplatz Ballangen am Efjorden mit Zugang zum Fjord.
- Vorsicht am Ziel: Es gibt keine Sicherung und das Gelände ist extrem abschüssig.
- Es gibt unterwegs Möglichkeiten zur Aufnahme von frischem Trinkwasser.














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