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Wildtiere in Schweden? Tipps zur Selbstverteidigung

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Vergangenes Jahr hatten wir uns für unseren Urlaub erstmals ein nordisches Land als Destination ausgesucht. Ich bin hitzeliebender Warmblütler, liebe Südostasien und Südeuropa und bin entsprechend stets erpicht gewesen, den Kompass gen Süden auszurichten, wenn die Zeit es zuließ. Doch der Jahrhundertsommer 2018 lieferte letztlich auch ausreichend Anlass, auch den Trip in den Norden mit Vorfreude auf etwas kühlere Luft antreten zu können. Meine Erfahrungen mit einem nicht wenige Erstreisende beschäftigenden Thema möchte ich nachfolgend gerne mit anderen Interessierten teilen.

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Eine Gefahrenanalyse statt eines Reiseberichts

Für die beabsichtigte Spannungskurve nicht unerheblich ist ein Mindestmaß an Hintergrundinformationen: Los ging die Reise mit einem kurzen Segelausflug vor Stockholm, auf den sich meine Frau kompromissbereit einließ – schon leichter Wellengang kann ihr erfahrungsgemäß schnell zusetzen. Also musste der Urlaub auf jeden Fall die meiste Zeit an Land stattfinden.

Da es unser erster Urlaub in Skandinavien war, ließen wir uns aber anfangs schwer beeindrucken von der Erwartung, eventuell auf Bären oder Elche zu treffen. Man liest ja schon einmal von Bärenangriffen in Schweden und, wie man sich zu verhalten habe: Keinesfalls wegrennen, lieber singen oder ruhig Reden, gegebenenfalls aber auch laut und animalisch brüllen oder im Zweifelsfall tot stellen und auf ein schnelles Ende hoffen – was sieht man nicht alles auf Facebook oder Reddit zu dem Thema.
Dass wir dem tatsächlich gefährlichsten Tier Schwedens aber bereits während des Segelausflugs begegnen sollten, würden jedenfalls sicher die Wenigsten erwarten. Doch dazu später mehr.

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Ein kurzer Blick auf die Topografie Schwedens

In Nordschweden erstreckt sich die dünnbesiedelte Taiga durch einen Großteil des Landes. Vor der Ostküste des Landes kann man hervorragend atmosphärisch segeln, denn dort liegen sage und schreibe mehr als 24 Tausend Inseln, die für ein ganz besondere Landschaft sorgen. Im Süden des Landes locken dichte Wälder, die allerdings mittlerweile zum größten Teil aus nachhaltig bewirtschaftetem Forstwald bestehen. Nur noch drei Prozent der Fläche sind Urwald. Gleichzeitig ist Schweden nur sehr dünn besiedelt mit durchschnittlich rund 23 Menschen pro Quadratkilometer. 

Ein Großteil des Landes im Norden befindet sich noch dazu über der Baumgrenze, die zwischen 500 und 900 Meter liegt und somit kein Baumwachstum erlaubt. Umso beeindruckender wirkt die Tatsache, dass Schweden das waldreichste Land der Welt ist – zumindest, wenn man in Wald pro Einwohner rechnet. Die eher deutsche „Gattung“ des vereinzelt auftretenden „Problembären“ kennt man hier jedenfalls nicht – ganz im Gegenteil: Die rund 1000 in Schweden lebenden Braunbären stehen unter Naturschutz und dürfen entsprechend auch nicht gejagt werden.

Vorbereitung auf unseren Wanderausflug

Unter dem Strich bleibt also übrig: Wer hier abseits der großen Städte wandern will, stellt sich auf wenige Begegnung mit anderen Menschen ein und fragt sich: Wird mir der geschätzte Braunbär beim Wandern in der Taiga vielleicht doch zum Problem? Ich hatte mich das vor unserem Urlaub (in aller Naivität?) gefragt. 

Das größte Tier, das mir je ohne Trennzaun eines Geheges in freier Wildbahn begegnet ist, war wohl das verschüchterte Reh im deutschen Laubwald, das ich aus der Entfernung kurz aufschauen sah, bevor es schnell Reißaus nahm. Geht also von den großen, wildlebenden Tieren in Nordschweden eine Gefahr aus? 

„Forum Fearmongering“

Diese Frage taucht in Reiseforen nicht selten auf, wo sich besorgte Erstreisende beraten lassen, welche Arten von Selbstverteidigungsinstrumenten dazu geeignet sind, sich im Falle des Tierkontakts effektiv zu verteidigen. Man findet allerlei Kuriositäten an Vorschlägen, wie beispielsweise die Bewaffnung mit Schreckschusspistolen und Pfefferspray-Munition. Das kann den einen oder anderen durchaus verunsichern und stellt dann spätestens bei der Einreise vor das Problem, dass weder Schreckschusspistolen noch Pfefferspray einfach eingeführt werden dürfen – Pfefferspray ist in Schweden sogar verboten.

Die Realität sieht anders aus

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Wichtig zu wissen also, dass sich die Angst vor Wildtieren in Schweden nicht nur an den falschen Tieren abarbeitet, sondern an sich deutlich überbewertet ist. Zwar sind zwischen 1977 und 2012 tatsächlich etwas über 30 Menschen von wilden Bären angegriffen wurden, meist aber im Rahmen der Jagd und selbst dann nur selten mit tödlichem Ausgang – falls das beruhigt. Vor allem vor Luchs und Bärenmarder ist jegliche Angst unberechtigt, da es bislang noch keinen einzigen dokumentierten Angriff auf Menschen gegeben hat. Wer sich nicht gezielt durch aggressives Verhalten gegenüber Bären selbst in Gefahr bringt, hat auch in Schweden kaum etwas zu befürchten.

Der Mythos anlasslos angriffslustiger Braunbären heizt aber auch in Schweden immer wieder die Debatte um vertretbare Populationszahlen von freilebenden Raubtieren an. Für Urlauber ist die Angst vor Bären oder auch Elchen aber, wie gesagt, vollkommen unbegründet – handelt es sich doch um sehr scheue Tiere, die den Kontakt mit Menschen nach Möglichkeit selbstständig zu verhindern versuchen.

Das „gefährlichste Tier Schwedens“

Wenig Beachtung findet aber ein tatsächlich gefährliches Tier, das man in der Regel erst entdeckt, wenn es sich bereits in unmittelbarer Nähe befindet. Sogar Pfefferspray und Schreckschuss hätten kaum einen Effekt. Gelegentlich ist der schmerzhafte und potenziell tödliche Angriff das erste, was man von dem Tier wahrnimmt – und dann ist es vielleicht schon zu spät. Pro Jahr stirbt durchschnittlich ein Mensch in Schweden an den Folgen des tödlichen Angriffs dieser weitverbreiteten und wehrhaften Spezies.

Unsere erste Begegnung mit diesem gefährlichen Tier fand, wie erwähnt, bereits auf dem Segelboot statt. Während eines süßen Mittagsnacks machte es sich durch das charakteristische Geräusch seines Flügelschlags bemerkbar und zeigte reges Interesse an den süßen Getränken und Snacks der Crew. 

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Dieses wenig aggressive Exemplar der berüchtigten Wespenspezies ließ uns aber schon bald wieder in Ruhe und verschonte uns erwartungsgemäß alle. Da keiner von uns allergisch auf Bienen- oder Wespenstiche reagiert, konnten wir die Anwesenheit der Wespe auch in aller Ruhe ignorieren.

In dem Wissen, der statistisch gesehen größten Gefahrensituation im Kontakt mit Wildtieren in Schweden unversehrt entgangen zu sein, konnten wir den Rest des Urlaubs in Schweden jedenfalls entspannt genießen. Diese Unbeschwertheit empfehle ich hiermit auch anderen Reiselustigen!

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Titelbild: © Pixabay Natalia Kollegova; Bilder Im Text: © Corvin Rabenstein; © Pixabay: Hornet – Umsiedlungen, Forest – MemoryCatcher

Corvin

"Seit meiner Kindheit bin ich gerne im Süden unterwegs - überall wo es warm ist. Am weitesten getrieben hat es mich bisher nach Südostasien, wo ich mich auf mal mehr, mal weniger paradiesischen Inseln klischeegerecht fast ausschließlich von Kokosnüssen und Durian ernährt habe. Jetzt durfte es auch mal ein Trip gen Norden sein, bei dem ich Schweden zu schätzen gelernt habe. Von meinen anfänglichen Sorgen und der letztlichen Ernüchterung, dass auch das Wildlife Schwedens praktisch betrachtet ziemlich harmlos ist, berichte ich euch in meinem Gastbeitrag."

2 Kommentare

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